Hervorragend

Christof Stählin: „Das Einhorn“. Diese Schallplatte wurde mit der Flut der Neuerscheinungen beinahe hinweggespült mitsamt seinem Sänger, einem jungen Talent, das es durch die handelsübliche Einteilung in die Rubrik Pop verschlagen hat, genauer: in die Sparte der Chansonniers und Liedermacher. Christof Stählin ist ein Dichter und ein Musiker. Er singt mit seiner schwingenden, auf die Nuance genau betonenden Stimme lauter kleine, freche, gütige, kritische, märchenhafte Gedichte, Geschichten und Gleichnisse. Sie entfalten ihre gänzlich unerwartet erfrischende Wirkung aber erst zusammen mit den behutsam (und sporadisch mit Trompete, Horn, Kontrabaß, Cello, Stimmen) instrumentierten Melodien. Kommt hinzu, daß Christof Stählin ein gewandter, aber auch ein phantasievoller Gitarrist ist. Er hat übrigens 1977 den Kleinkunstpreis bekommen. (Nomen + Omen, Payerstraße 16, 7400 Tübingen, 20,– DM)

Manfred Sack

Hörenswert

„Le Parnasse Français“. Ein etwas hochtrabender Titel? Unter dieser Bezeichnung war ein Denkmal geplant, das in Paris zu Ehren Ludwig XIV. und der französischen Literatur und Musik errichtet werden sollte, Zu den dieser Art global zu Feiernden gehörten unter anderem Marin Marais (1656–1728), Jean-Féry Rebel (1666–1747) und François Couperin (1668–1733), die auf dieser Platte mit Triosonaten vertreten sind. Historische Instrumente, selbst edierte Ausgaben oder alte Handschriften, frischer Musizierduktus, sensible Artikulation – die „Musica Antiqua“ aus Köln stellt sich auf eine vortreffliche Weise in die Reihe der historisch-kritischen Interpreten. (Deutsche Grammophon Archiv 25 33 408)

Heinz Josef Herbort

Peter Frankenfeld: „Peters Bastelstunde“. So hieß eine viele Jahre gemachte Radiosendung, eine wahrhaft „brillante Mischung aus Text und Ton“, deren Bestandteile der Spaßmacher mit unermüdlichem Eifer gesammelt und zu Sendungen montiert oder eben: zusammengebastelt hatte. Es waren Nonsense-Collagen aus Szenen, Musiken, Geräuschen, Störungen, Zufällen, deren eine diese Schallplatte wiedergibt. Die Liste der Mitwirkenden nennt unter anderen Lonny Kellner, Fred Weyrich, Kurt A. Jung sowie: eine Tontechnikerin, ein Kind, Herrn Friedrich, einen Wasserholer, einen Angler, einen 1. Tenor, den Generalvertreter einer Keksfabrik, den Artisten Seilini, sechs Anrufer, einen Fernlaster mit Chauffeur, eine Dame, eine Kuckucksuhr, Caterina Valente, Jägermeister Kantholtz, drei Fernsprechteilnehmer, einen Fahnenträger (Telefunken 6.23725 AJ; MC 4.23725 CJ). Neben dieser virtuosen Blödelei fällt ein als Huldigug gemeinter Nachruf weit ab: „Danke, Peter Frankenfeld“, eine Kollektion von Auftritten, bei denen der Conférencier Couplets von Otto Reuter, Lieder und Schlager singt und ein paar blaß gewordene Vorstellungen als Komiker gibt (EMI 1C 066–45 344; MC IC 266–45 344)