Bücher aus einer Fremdsprache zu übersetzen, ist eine Sache; den Titel zu übertragen, eine andere. Und in diesem Fall ist dem Verlag ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Originaltitel: „Die Insel (ein brasilianischer Reporter im Lande Fidel Castros)“, zeigt präziser die Intention des Buches an als die deutsche Übersetzung.

Fernando Morais: „Die rote Insel. Kuba heute“, aus dem Portugiesischen von Bernd Weidmann; Peter Hammer Verlag; Wuppertal 1978; 131 S., 16,– DM.

Morais, Jahrgang 1947, gehört zu jener (wachsenden) Gruppe brasilianischer Journalisten, die politische Aufklärung gegen ein Regime betreiben wollen, das den Irrweg anhaltender Repression selber fürchtet, aber den Mut zur Lockerung nicht aufbringt. Die ideologischen Grundlagen dieser Herrschaft als irrig, weil objektiv falsch, zu entlarven, ist Ziel eines fast nüchternen, erzählenden, jedenfalls in der Sprache auf den ersten Blick ideologiefreien Journalismus. Ein Pfeiler des brasilianischen Regimes ist der militante Antikommunismus, ein deswegen gern verketzerter Staat Kuba. Morais hatte sich vorgenommen, ihn eben als nicht „rot“ im Sinne des Militärs aus Brasilien darzustellen, das Etikett „kommunistisch“ als Schwindel und Vorwand zu entlarven, die objektive Schilderung kubanischer Verhältnisse zu unterdrücken.

So ist dieses schmale, überaus lesenswerte Paperback durchaus keine um maximale Sachlichkeit bemühte Darstellung, sondern in Diktion, Stil und Auswahl der Themen nur vor dem Hintergrund brasilianischer Realität zu verstehen. Lebensmittelrationierung, Spitzelsystem, Arbeitszwang – das alles trägt Morais mit einer Gelassenheit vor, die nur auf den ersten Blick als politische Zustimmung ausgelegt werden kann. In Wahrheit schildert er seinen Lesern, wie diese Unannehmlichkeiten zum Wohle eines ganzen Volkes ausschlagen können und nicht, wie in seinem Heimatland, zum Vorteil einer Oligarchie. Da hält er sich zum Beispiel ein Kapitel lang bei der (nicht vorhandenen) Prostitution in Kuba auf – verständlich nur dem, der ihre bittere Bedeutung für die Ärmsten in den Großstädten Brasiliens kennt. Ausführlich schildert er Kooperativen für den Eigenheimbau in Kuba – zum Verständnis gehört das Wissen, daß in Brasilien solche Selbsthilfe gegen Kapitel und Ausbeutung verfolgt und unterdrückt wird. Da lobt er die Schülerzwangsarbeit, die Bildung und Ausbildung erwirtschaftet – in seinem Land scheitert die Alphabetisierung an der Ebbe in der staatlichen Börse.

Nein, eine „objektive“ Darstellung Kubas ist das nicht, sondern eine im besten Sinne politische Reportage: im Spiegel des fremden Staates die Fehler des eigenen Landes zeigen. Horst Bieber