Ende 1977, nach Sadats großherzigem Besuch in Jerusalem, und später, nach Camp David, hatten wir alle Hoffnung: daß endlich Frieden werde im Nahen Osten. Was sich dann zwischen Jerusalem und Kairo abspielte, ließ uns schier verzweifeln. Unsere Ohnmacht wurde offenbar. Wenn der gute Wille zweier Staatsmänner nicht ausreichte, den Frieden zu sichern, war dann nicht ein Krieg unvermeidlich? Es würde unsere seit 1945 unendlich technisierte, immer enger miteinander verflochtene Welt mit ihren seitdem verdreifachten Lebensansprüchen in unvorstellbares Elend stürzen.

Als Carter vor zwei Wochen nach Nahost flog, war er der einsamste Mann in der Welt. Man hatte nur Mitleid mit dem freundlichen, frommen Mann aus Washington. Nun hat er noch nicht den Frieden, wohl aber die Hoffnung auf Frieden nach Hause gebracht. Der militärisch stärkste Gegner Israels ist zum Abschluß bereit. Der Frieden bringt Sadat noch mehr Haß und Feindschaft vieler Araber. Gewinnen kann er nichts als die Freundschaft des Westens. Das verlangt von den reichen Ländern Hilfe an die von Armut geschlagenen 38 Millionen Ägypter.

Begin hat auf viel verzichtet. Wir wissen heute: Unter der Wüste des Sinai liegt Öl, in einigen Jahren genug für die volle Versorgung Israels auf Jahrzehnte; das geht jetzt an Ägypten. Und erschauern läßt Israel beim Blick in die Zukunft zweierlei: die Aussicht, daß Westjordanien früher oder später seine volle Unabhängigkeit gewinnt, vielleicht im Anschluß an Jordanien, und die Gewißheit, daß die Araber, sollten sie wirklich zum Frieden bereit sein, schmerzliche Konzessionen mindestens im Ostteil Jerusalems verlangen werden.

Der halsstarrige Begin und der listenreiche Sadat – beide haben sich überwunden. Nun zittern sie vor den Folgen ihrer Entscheidung. Sie haben Anspruch darauf, daß die westliche Welt ihre außergewöhnliche Entscheidung durch außergewöhnliche Anstrengungen honoriert. Der Frieden dort ist unser Frieden. Wir müssen Ägypten und Israel wenigstens zu bescheidenem Wohlstand verhelfen, damit der Friede dauerhaft wird – und damit von ihren werbende Kraft auf die gemäßigten Araber ausgeht. Saudi-Arabien und Jordanien können sich erst dann zu dem ägyptisch-israelischen Ausgleich bekennen, wenn sie sehen, daß der Westen sich mit ganzer Kraft dahinter stellt.

Jetzt sind wir also an der Reihe: nicht mit kleinen Beträgen, sondern mit Opfern. Ein Marshall-Fonds Nahost wäre zu schaffen, 25 Milliarden Dollar, in fünf Jahren aufzubringen. Zahlen sollten: die Vereinigten Staaten 7,5 Milliarden (nach allen anderen Opfern; schon die Verlegung der israelischen Militärstützpunkte und die nötige Militärhilfe kostet sie fünf Milliarden); Japan, in Devisen schwimmend und vom Nahost-Öl abhängig: fünf Milliarden; wir, in Anerkennung historischer Schuld: 7,5 Milliarden; die anderen westlichen Länder: fünf Milliarden Dollar. Empfangen sollten vor allem Ägypten und das hochverschuldete Israel – je zehn Milliarden; den Rest die kleineren Länder.

Für uns hieße dies auf fünf Jahre jährlich 1,5 Milliarden Dollar, gleich 2,7 Milliarden Mark. Viel Geld, aber die Tabelle zeigt: nicht zuviel, vergleicht man es mit anderen Größen; keine Beträge, welche die Nation unverhältnismäßig treffen würden.

  • Sozialprodukt 1978: 1250 Milliarden;
  • 2,7 Milliarden sind davon 0,22 Prozent.
  • 1 Prozent Mehrwersteuer bringt 6,5 Milliarden;
  • 2,7 Milliarden sind 0,42 Prozent Mehrwertsteuer;
  • Das Defizit der Bundesbahn war 1978: 4,6 Milliarden;
  • Die Bundespost verdiente 1978: 2 Milliarden.