Von Gunter Hofmann

Bonn, im März

Die Stärke der SPD war es einmal, ihre Politik auf die Zukunft auszurichten und Jüngeren plausibel zu machen. Heute, auf dem langen Marsch zur Kanzlerpartei, ist die "Zukunft" für sie zur Randfrage geworden. Nur allmählich beginnt die Partei darüber wieder nachzudenken.

Im Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Kiel und die Berliner Erfahrungen hat Willy Brandt seiner Partei dringend geraten, den "Protest ernst zu nehmen, der von den jungen Leuten ausgeht". Ähnlich kündigt Helmut Kohl ein "offensives Gespräch" mit der jüngeren Generation an.

Ob es weit führt? Von einem Teil der jüngeren Generation wird die Union gar nicht, die Koalitionsparteien allenfalls als das kleinere Übel gewählt. Was der SPD Ende der sechziger Jahre noch vergleichsweise leichtfiel, nämlich die außerparlamentarische Opposition zu integrieren, ist vermutlich nicht wiederholbar. Der Erfahrungen eingedenk, die damals gemacht wurden, treibt es die APO Ende der siebziger Jahre unter der grünen Ökologen-Fahne weg von den "etablierten" Parteien. Die Zukunft, die sie meint, sieht ganz anders aus.

Zweifel, ob die Muster der althergebrachten Politik noch taugen, machen sich allerdings nicht nur an den ausgefransten Rändern breit. Sie ragen weit in die Partei hinein. Für die eine SPD stellt sich immer mehr die Frage, ob die Politik denn richtig sei, angesichts der Tatsache, daß.das Wachstum schwindet oder mit Milliardenbeträgen angekurbelt werden muß, oder daß der alte Fortschrittsbegriff an Gültigkeit verliert. Die andere SPD, oft sind es die gleichen Personen, flüchtet nur zu gern in den Schatten des Kanzlers. Herrscht nicht rundum Zufriedenheit und der Eindruck von Normalität? Es stimmt schon: eine Partei verschwindet da hinter exekutivem Glanz.

Schon das erste "Forum Zukunft", Auftakt einer ganzen Kongreßserie der SPD in Essen, machte dieses Dilemma sichtbar. Es ging um die Perspektiven von "Arbeit und Technik". Wo liegen die sinnvollen Grenzen von Technik? Was dürfen wir wollen? – das waren die großen Fragenkomplexe. Eine starke Phalanx von Kabinettsherren – Helmut Schmidt aus weltökonomischer Sicht; Herbert Ehrenberg blind für die sozialen Kosten weiteren Wachstums; Volker Hauff mit dem Fortschrittsoptimismus intelligenter Technokratie – bügelte damals jedoch alle Sorgenfalten glatt.