Sehenswert

„Harlan County USA“ von Barbara Kopple, die drei Jahre lang mit Bergarbeiterfamilien in Brookside, Kentucky lebte und dort ihren ersten – 1977 mit einem Oscar ausgezeichneten – Dokumentarfilm nicht über die, sondern mit den Betroffenen drehte: „die Geschichte des längsten und dramatischsten Bergarbeiterstreiks in den USA.“ 13 Monate dauerte dieser Kampf um Tarifverträge und Gewerkschaftsanerkennung, und Barbara Kopple war mit ihrer Kamera die ganze Zeit dabei. Sie ergreift Partei, aber nicht durch eindeutige Bekundungen im Sinne politischer Agitationsfilme, sondern durch genaue Detail-Schilderungen: bei Demonstrationen gegen bewaffnete Streikbrecher, beim Mord an einem Streikposten, dessen Mörder identifizierbar durchs Bild läuft Die engagierte Regisseurin filmte jedoch nicht nur spektakuläre Eskalationen. Fast beeindruckender sind ganz ruhige Einstellungen von Alten und Frauen, die über miese Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschäden reden (und singen!). Die Filmemacher sind dabei immer präsent, ruhig auch mal im Bild, sie gehören dazu; und sie verzichten auf eigene besserwisserische Kommentare zu Gewerkschaftskorruption oder Direktorenpalaver. Aber vor allem werden die Streikenden respektvoll behandelt, nie typisiert oder bloßgestellt: weder als häßliche vom Unglück Gezeichnete noch als arme, aber strahlende Kämpfer. Manuela Reichart

Seltsam

„Der Mann aus San Fernando“ von James Fargo. Clint Eastwood auf Abwegen: In seinem jüngsten Film (Originaltitel: „Every Which Way But Loose“) verirrt sich Amerikas populärster Kino-Star im Country-and-Western-Terrain seines Konkurrenten Burt Reynolds. Dessen geschmeidigem Dixie-Charme hat Eastwood indessen nicht nur ein stoisches Grinsen entgegenzusetzen, sondern auch eine höchst kuriose Geschichte, die sich gegen alle Zuschauer-Erwartungen entwickelt: Das Mädchen, dem unser Clint einhundert Minuten lang nachschmachtet, erweist sich als härter und unabhängiger als der „Macho“-Held; eine Motorrad-Gang sieht aus wie ein schlecht kostümierter Senioren-Club; Ruth Gordon, als Eastwoods kurzsichtige Mutter, stiehlt rabiat alle Szenen. „Der Mann aus San Fernando“, von Eastwood selber produziert, ist ein Film voll von überraschenden Dissonanzen, ein nicht unintelligenter „private joke“. Außerdem gibt es ein kurzes Wiedersehen mit dem John-Ford-Veteranen Hank Worden (siehe auch „Filmkritik“, September/Oktober 1977). Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Magic“ von Richard Attenborough erinnert sehr an die Michael-Redgrave-Sequenz des 1945 gedrehten Episodenfilms „Dead of Night/Traum ohne Ende“: Ein Kartenkünstler und Bauchredner (Anthony Hopkins als „Corky“) gerät immer stärker in den Bann seiner Holzpuppe „Fats“. Das Drehbuch schrieb William Goldmann („Der Marathon-Mann“) nach seinem Bestseller. Der Reiz dieses Themas liegt in der Ungewißheit, ob es sich um einen Psycho-Thriller handelt (Fats als Corkys böses anderes Ich) oder um einen okkulten Horrorfilm (wo Fats über teuflische Magie verfügt). Anders als im Roman werden hier solche Spannungsmomente schon in den ersten Szenen verschenkt. Die Charaktere bleiben blasse Abziehfiguren, die schwerfällige Regie von Attenborough („Die Brücke von Arnheim“) beschränkt sich auf die blutige Eliminierung der wenigen Personen, und Anthony Hopkins mit seiner lethargischen (wenn auch manchmal wild augenrollenden) Leichenbittermiene ist eine totale Fehlbesetzung. Das einzig überraschende, bei dieser ,,unheimlichen Liebesgeschichte“ ist die hervorragende Leistung von Ann-Margret. Helmut W. Banz

Langweilig