Kiel

Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg (CDU) sprach von einer "Naturkatastrophe". Oppositionsführer Klaus Matthiesen (SPD) beschränkte sich auf "Schneekatastrophe". FDP-Chef Uwe Ronneburger fand "die Herausforderung" passender. Und Karl-Otto Meyer, in einer Person Fraktion und Fraktionschef des dänisch orientierten Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), war für "Schnee- und Sturmtage".

So hatte glücklich jede Partei im Kieler Landtag ihre Sprachregelung gefunden für einen Winter, der immer noch nicht zu Ende ist. Darin waren sich alle einig: Es war viel zuviel Schnee, der sehr viel gekostet hat und noch kosten wird. Es gab sehr viel verständliche Aufregung und manchmal übersteigerte Panik. Es gab zwar zuwenig Funkgeräte, dafür jedoch genug Amateurfunker, die ihre Stunde gekommen sahen. Es gab viel Nachbarschaftshilfe, dazu in Spitzenzeiten bis zu 25 000 uniformierte und organisierte Helfer und zu viele "verdammte Neugierige!" (CDU-Landwirt Latendorf). Es gab eben von allem reichlich.

Und während die Politiker dem Winter bereits die Rechnung aufmachten (55,8 Millionen Mark per Nachtragshaushalt), Wirtschaftsminister Westphal den Männern von der Schneefront bei einem gemütlichen Kaffeeklatsch für ihren Einsatz dankte und in den Gemeinden Schneepflug und Salzstreuer abmontiert wurden, begann es am vergangenen Wochenende wieder leise zu rieseln.

Nicht leise genug für den Kieler Krisenstab, der prompt in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Doch gefragt war diesmal überwiegend die Verkehrspolizei. Blechschäden all überall auf spiegelglatten Straßen. Es hatte gerade so schön getaut.

Ihr Gutes hatten die herausfordernden Schnee- und Sturmtage allerdings auch. Autos wurden gemeinsam freigeschaufelt. Über ausgeliehene Schneeschieber knüpften die kontaktarmen Städter Kontakte. Uwe Seeler, im ersten Akt der Schneekatastrophe zwischen Kiel und Hamburg auf der Autobahn eingeschneit, verließ seinen Wagen, beglückte einen Lkw-Fahrer im warmen Führerhäuschen und teilte dessen Thermoskaffee brüderlich mit ihm.

Ein übereifriger Kleinverleger aus Itzehoe warf vor der zweiten Winterlawine den schleswigholsteinischen Schnee 1978/79 in Buchform auf den Markt und kurz vor dem dritten Schneefall signalisierte per Anzeige eine abseits gelegene Weinstube bei Lütjenburg "wieder vom Schnee befreit". Ach ja, zu früh.