• Vergangene Woche fand im Bundestag eine öffentliche Anhörung zur geplanten Änderung der Kartellnovelle statt. Dabei hat auch die Frage eine Rolle gespielt, wie im Bereich der Stromversorgung mehr Wettbewerb erreicht werden kann. Was verspricht sich die Vereinigung Industrielle Kraftwirtschaft (VIK) davon?

Budde: Unser Vorschlag läuft darauf hinaus, die bisher für den direkten Wettbewerb geschlossenen Versorgungsgebiete der Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVUs) in kleinen Schritten zu öffnen und zwar so, daß man sowohl Industriestrom als auch EVU-Strom über das bestehende Netz durchleiten kann. Damit ergeben sich für den Stromnachfrager mehrere Alternativangebote. Das ist die sinnvollste Möglichkeit, Konkurrenz in die bisher geschlossenen Versorgungsgebiete hereinzutragen.

  • Nun könnten Sie ja auch eigene Leitungen bauen oder nicht?

Budde: Das wäre die andere Möglichkeit. Das führt zwar zu betriebs-, aber nicht immer auch zu Volkswirtschaftlichen Vorteilen. Denn hier besteht die Gefahr der Doppelinvestition, die nicht genutzt wird. Man schafft eine höhere Leerkapazität im Leitungsnetz. Und das Leitungsnetz macht immerhin ein Drittel bis 50 Prozent der Gesamtkosten bei der Stromversorgung aus. Da aber die höheren Kosten nicht genutzt würden, wäre das Volkswirtschaftlich kein Vorteil. Deshalb plädiert die VIK eindeutig für das Durchleitungsmodell.

  • Was verspricht sich die industrielle Kraftwirtschaft davon?

Budde: Zunächst sind wir nicht die einzigen, die das fordern. Es gibt seit Jahren eine Reihe von Experten aus Praxis und Wissenschaft, die für die Durchleitung plädieren. Vom Vorzug des Wettbewerbs einmal abgesehen, sind die Gründe außerordentlich vielschichtig. Deshalb hier nur ein Aspekt der energiewirtschaftlich sehr wichtig ist. Es geht um eine bessere Verwertung des industriell erzeugten Kraft-Wärme-Stroms. Heute wird dieses Potential noch nicht voll augeschöpft, Das schlummernde Potential, das ist die Wärme, die in Heißdampf- und

Heißwasserkesseln bei der Industrie erzeugt wird. Diese bisher nicht voll genutzte Wärme kann aber mit Kraft gekoppelt werden, also auch Strom erzeugen. Das hat den Vorteil, daß hierbei nur die Hälfte der Primärenergie aufgebracht werden muß, als sonst zur Stromerzeugung benötigt wird.