Sparappelle helfen nicht

Von Jes Rau

Jimmy Carter zog es wieder mal nach Camp David. Dort bosselte er am vergangenen Wochenende gemeinsam mit einer Anzahl von Beratern an einer Strategie, die ihm den vor zwei Jahren erklärten „Krieg gegen die Energiekrise“ nun doch noch gewinnen helfen soll.

Die Schlagzeilen über die Verknappungen und die atemberaubenden Preissprünge auf den Ölmärkten haben, so hofft er wohl, einige Senatoren und Abgeordneten des US-Kongresses endlich davon überzeugt, daß die Zeit gekommen sei, den Kopf aus den Sand zu ziehen und der Wirklichkeit ins Auge zu blicken. Umkränzt von dem in Ägypten und Israel erworbenen Lorbeer des Friedensstifters hat der amerikanische Präsident noch einmal eine Chance, in Washington eine Energiepolitik durchzusetzen, die den Öldurst der Amerikaner schmälert und dadurch der Welt drastische Verknappungen und explodierende Preise erspart,

Die frisch gewachsene Autorität des Präsidenten kann freilich mit dem Friedenslorbeer schnell wieder verwelken. Für Jimmy Carter gilt es deshalb, das Eisen der Energiepolitik zu schmieden, solange es heiß ist; jetzt oder nie. Zu welchen Maßnahmen sich Carter entscheidet, erfahren die Amerikaner aber wahrscheinlich erst in zwei Wochen, wenn er sich aus dem Weißen Haus in einer von allen Stationen ausgestrahlten Fernsehrede an die Nation wenden wird.

Bis dahin wird die Welt auch wissen, um wieviel die Opec-Länder den offiziellen Preis ihres Rohöls anheben werden. Optimisten in Washington haben die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, daß sich die Ölminister bei der am 26. März in Genf stattfindenden Opec-Konferenz mit einer „verkraftbaren“ Preiserhöhung begnügen, sich also auf etwa fünfzehn Dollar pro Barrel einigen. Die Pessimisten befürchten hingegen, daß sich die Abgesandten der ölfördernden Staaten bei ihrer Entscheidung an den Preisen von zwanzig Dollar und mehr orientieren, die in den vergangenen Wochen an den freien Ölmärkten in Rotterdam und anderswo erzielt wurden.

Der Zufall will es, daß sich die Opec-Minister in Genf an eben dem Tag versammeln, an dem Israels Ministerpräsident Begin und Ägyptens Präsident Sadat in Washington – in Anwesenheit von Jimmy Carter – ihre Unterschrift unter den Friedensvertrag setzen wollen. Der aber wird von der Mehrzahl der arabischen Opec-Staaten sfcharf abgelehnt. Werden die Preisfalken innerhalb der Opec – so wie schon 1973 – die Palästinafrage zum Brennpunkt der divergierenden Meinungen und Interessen machen und der Weltöffentlichkeit eine drastische Ölpreiserhöhung als Strafe für den „Verrat“ Ägyptens „verkaufen“?