Die Meldung war in vielen Zeitungen nicht zu finden – sie hätte manchen Bericht vom Wahlsonntag relativiert: Auf Bitten des sozialdemokratischen Bundeskanzlers hat der Christdemokrat Walther Leisler Kiep eine Sondermission bei der Türkeihilfe des Westens übernommen. Was nicht in der Meldung stand: Kiep, Schatzmeister der CDU und Finanzminister in Hannover, hatte sich zuvor der Zustimmung dreier wichtiger Parteifreunde versichert: seines Parteivorsitzenden Kohl, seines niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht und des bayerischen Regierungschefs Strauß. Trotz anhaltenden Donnergetöses im Bundestag, trotz rücksichtslosen Umgangstones in Wahlkämpfen gibt es sie also noch, die Gemeinsamkeit der Demokraten. Seit Mogadischu hatte man nichts mehr von ihr gehört.

Noch ein anderes belegt diese Berufung: Die Bundesrepublik muß, ihrer wirtschaftlichen Stärke und wachsenden politischen Bedeutung angemessen, einen Teil der internationalen Verantwortung für den Weltfrieden mittragen. Die Bürde ist nicht leicht. Kiep, ein midatlantic man, bewandert in den Künsten der . Finanzen und der Außenpolitik, weiß zwar aus vielen Reisen und Konferenzen, an welche Türen er klopfen muß. Gleichwohl ist es für ihn in den vor ihm liegenden drei Monaten nicht damit getan, Geldquellen für die arme Türkei zum Fließen zu bringen. Auf allen Wegen zum Frieden in jener Region liegt wie ein unbeweglicher Felsklotz das Zypernproblem. Auch ist seit dem Umsturz im Iran mancherorts die Abneigung gegen ein Engagement in jener Region gewachsen. Der Wünschelrutengänger aus Hannover wird Glück brauchen, kj.