Regierung, Parlament und private Banken haben aus dem Zusammenbruch der Herstatt-Bank einige Konsequenzen gezogen, die die Bankkunden davor schützen sollen, die Leidtragenden von Bankzusammenbrüchen zu sein.

1. Offene Devisenpositionen – das heißt Devisenengagements, die nicht durch Kurssicherungsgeschäfte abgedeckt sind – dürfen dreißig Prozent der haftenden Eigenmittel einer Bank nicht überschreiten. Der Sinn: Verluste, die dabei entstehen können, sollen den oder die Eigentümer treffen, nicht aber die Bankkunden.

2. Das Parlament hat das Kreditwesengesetz novelliert. Dabei wurde das „Vier-Augen-Prinzip“ eingeführt: Wenn ein Kreditinstitut nicht mindestens zwei Geschäftsleiter hat, darf das Bundesaufsichtsamt die Erlaubnis zum Betrieb einer Bank versagen. Das Instrumentarium der Bankenaufsicht wurde verbessert, Sonderprüfungen sind jetzt ohne besonderen Anlaß möglich.

3. Da einige andere Bankpleiten auf notleidende Großkredite zurückzuführen waren, wurden die Regeln für Großkredite verschärft.

4. Die Privatbanken haben eine Liquiditäts-Konsortialbank ins Leben gerufen, die schon vor einem Bankzusammenbruch helfend eingreift.

5. Die privaten Banken haben einen Einlagensicherungsfonds geschaffen. Seither sind Einlagen von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen bei Banken ebenso sicher wie bei Sparkassen und genossenschaftlichen Banken. In den Fonds zahlen alle dem Bundesverband deutscher Banken angeschlossenen Institute drei Promille ihrer Nichtbankeneinlagen ein. Mit diesen Mitteln werden alle Einlagen von Nichtbanken und von Kapitalanlagegesellschaften abgesichert, jede Einlage bis zu dreißig Prozent des Eigenkapitals der Bank – das heißt praktisch unbeschränkt. Voraussetzung ist, daß die Gläubiger der Bank auf den Konkursantrag verzichten. Ihn kann jetzt nur das Bundesaufsichtsamt stellen.

Der Sinn all dieser Maßnahmen ist eindeutig: Vertrauenskrisen wie nach dem Herstatt-Debakel sollen vermieden werden. Ob Bankpleiten in Zukunft unmöglich sind? Nein – eine Täuschung der Aufsicht durch Spitzbuben ist nicht hundertprozentig auszuschließen. Allerdings werden künftig nicht mehr, wie noch im Fall Herstatt, die Einleger die Zeche mitbezahlen. R. H.