Das Geschäft hinter den Kulissen beeinflußt die laufende Saison

Von Gerhard Seehase

Ein Bild wie aus dem Familienalbum: Der Boß des FC Bayern, Wilhelm Neudecker, prostet den Hoeneß-Brüdern Uli und Dieter auf. eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu. Nichts scheint dieses häusliche Idyll stören zu können – und doch steckt in diesem Photo das ganze Dilemma der deutschen Fußball-Bundesliga.

Der vom Bayern-Präsident Neudecker als Manager verpflichtete Uli Hoeneß spielt zur Zeit noch als Profi beim 1. FC Nürnberg; und Dieter Hoeneß, der in der nächsten Saison Tore für die Münchner schießen soll, steht noch in Diensten des VfB Stuttgart.

Wilhelm Neudecker übrigens ist nicht nur Vereinspräsident des FC Bayern, sondern auch noch Ligaausschuß-Vorsitzender des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Womit zweifellos gesagt wird, daß auf dem Familienphoto des FC Bayern nichts zu sehen ist, was der DFB nicht sehen dürfte.

Das Prosit, das die Vertragsverpflichtung der Hoeneß-Brüder besiegelt, ist also völlig legal, auch wenn die Fans in Nürnberg und Stuttgart nun zwei abtrünnige Spieler haben, die bereits jetzt für den FC Bayern in die Kamera lächeln.

Der Fußballmarkt verlangt einen raschen Umschlag von Idolen. Und die Bundesligavereine haben einen unstillbaren Hunger nach guten Spielern. Und dieser Hunger bleibt, auch wenn sich die Vereinspräsidenten gegenseitig versprechen, keine Spieler abzuwerben. Doch die Anwerbung gehört zum Geschäft, und so traut kein Bundesliga-Vorsitzender einem Bundesliga-Vorsitzenden über den Weg.