Die Krakau. Keine grammatikalische Unbeholfenheit, kein femininer Tribut an Polens beliebte Großstadt. Die Krakau hat ihre Weiblichkeit rechtschreiberisch zu Recht und geographisch verdient: Sie ist eine kleine Region, ein schönes Hochtal in der Steiermark. Nordwestlich von Murau, an der Südseite der Niederen Tauern, zieht sich die Krakau zur Salzburger Grenze hinüber.

Sie heißt nicht von ungefähr so polnischdeutsch für unsere Ohren. Ihr Name ist slawischen Ursprungs, er bedeutet soviel wie „Krähennest“ und wurde, so heißt es, einst von den ersten Bewohnern des Hochtals geprägt – von Einwanderern aus dem Stamm der Wenden, die im Mittelalter von Osten her kamen.

Seither kamen nicht allzu viele Besucher in diesen Zipfel Österreichs, folglich ist seine Urlaubslandschaft nicht überlaufen und noch recht preiswert. Für acht bis zehn Mark erhält man in den kleineren Ferienorten noch ein Zimmer mit Frühstück, für die Vollpension kommt man mit 20 oder 25 Mark aus.

Wer hierher findet, weiß warum. Er will beispielsweise zum „Preberschießen“: Am Ende des Tales, in der Salburger Richtung, liegt der Prebersee, die Bühne dieses wohl einmaligen Schauspiels: Jenseits des Sees am gegenüberliegenden Ufer ist die Zielscheibe für das Preisschießen aufgestellt. Diesseits plazieren sich die Schützen, nehmen Maß und zielen – auf die Wasseroberfläche. Da zeigt sich, wer ein Meister ist; dessen Kugel prallt ab vom Wasserspiegel und trifft ihr Ziel. Art und Dichte des Wassers erlauben hier dieses eigenartige Schützenfest, heißt es am See.

Krakauebene heißt der wichtigste Fremdenverkehrsort des Tales, etwa 1300 Meter liegt die Gemeinde hoch. Aus dem Ort führt eine Reihe von Straßen in mehrere idyllische Seitentäler hinauf; meist sind die Wege allerdings durch Schlagbäume für den Autoverkehr gesperrt, der Wanderer soll seine Ruhe haben. Wer aber Gast des Dorfes ist, bekommt auf Wunsch von seinem Wirt einen Schlüssel für die Nebenwege.

Die Gäste fragen selten nach den Schlüsseln. Die nähere Umgebung von Krakauebene bietet nämlich schon mehr Wandermöglichkeiten, als ein Besucher während eines einzigen Urlaubs abschreiten kann, beispielsweise die Pfade auf die Dockneralpe, zum Hinterkarsee, zum Rantentörl, an die Barbaraspitze oder zum Waldschober. Zwei bewirtschaftete Hütten kann der Wandersmann zu einer zünftigen Jause ansteuern.

Uriger geht es indes bei der Bäuerin zu, die unterhalb des Gasthofs Schaller lebt. Sie versteht sich noch auf die Zubereitung eines „echten Almkaffees“, gerade so, wie ihn sich die Sennerinnen früher auf den Almen brauten. Milch gehört, hinein, sechs verschiedene Almkräuter, Gewürze, Eidotter, Zucker, viel Obstler und selbstversändlich Kaffee: Aber Genaueres will die Bäuerin nicht verraten. Man sollte ihn halt am besten selbst einmal probieren, meint sie.