Seit Beginn der israelisch-ägyptischen Friedensverhandlungen treffen sich auch Vertreter der Verkehrsministerien, Reisebüros und Veranstalter beider Länder immer häufiger zu Unterredungen. Sie wollen den Friedensvertrag mit einem attraktiven touristischen Aufgebot krönen. Allem Anschein nach werden auch die deutschen Urlauber von der sich abzeichnenden Entspannung profitieren.

Obwohl die Vertreter beider Verkehrsbüros in Frankfurt – unmittelbar vor der geplanten Unterzeichnung des Friedensvertrages – noch vorsichtig genug waren, der politischen Entwicklung durch Versprechungen nicht vorzugreifen, ließen sie dennoch erkennen: Die Aktivität. ten der Fremdenverkehrsexperten laufen auf Hochtouren. Während sich Touristiker Israels und Ägyptens regelmäßig zu Tagungen treffen, um binationale Reiseprogramme auszuarbeiten, über Unterkunftskontingente zu verhandeln und Verträge zu entwerfen, warten auch in der Bundesrepublik offenbar etliche Reiseveranstalter darauf, „Urlaub beiderseits von Suez“ anzubieten.

Erste Anzeichen dieser Entspannung auf touristischer Ebene zeigten sich erst vor kurzem auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Port präsentierten Ägypten und Israel miteinander kombinierbare Reiserouten, gemeinsam veranstaltete Pauschalreisen sollen folgen. Doch nicht nur in der Werbung, sondern auch in der Praxis gibt es jetzt schon spürbare Veränderungen. So werden beispielsweise an den ägyptischen Schlagbäumen, nach einer entsprechenden Weisung der Verkehrsbüros vor zwei Monaten, keine Reisenden mehr abgewiesen, die einen israelischen Stempel im Paß haben.

Jossi Kedar, seit November letzten Jahres neuer Leiter des Israelischen Verkehrsbüros in Frankfurt „nimmt an“, daß der Frieden den Gesamttourismus in Nahost stark wandeln wird. Für Israel erwartet er ein neues touristisches Rekordjahr. Die meisten Gäste werden sich seiner Meinung nach aus der Bundesrepublik anlocken lassen, die im vergangenen Jahr das erste Mal Rekordhalter unter den europäischen Gastnationen war. Mit 132 000 Besuchern rangierte sie damit gleich hinter den Amerikanern (291 000 Besucher) auf Platz zwei der internationalen Hitliste. Kedar gibt seinen Einstand mit einem neuen Israel-Konzept, von dem er hofft, es nach dem Frieden besonders attraktiv aufbereiten zu können. Statt wie bisher, wie er sagt, „auf den Spuren von Jesus“ zu wandeln, will er Israel vornehmlich als „normales Urlaubsland“ mit vielen Aktivsportmöglichkeiten und einer ganzjährigen Sonnensaison anbieten. „Großartige Urlaubsvarianten“. sieht er am Ferienhorizont aufziehen, so „Traumtörns“ vom Mittelmeer, durch den Suezkanal bis ins Rote Meer.

Wie weit die Verhandlungen mit bundesdeutschen Reiseveranstaltern gediehen sind, darüber wollten sich weder der (ebenfalls neue) Leiter des Ägyptischen Verkehrsbüros in Frankfurt, Ali Touni, noch Jossi Kedar äußern, die sich beide schon mehrmals zu Besprechungen trafen. Die Liste der Interessenten an kombinierten Ägypten- und Israel-Programmen ist offenbar groß. Gesine Froese