Von Ulrich Schiller

Washington, im März

Jassir Arafat prophezeit: "Der Krieg kommt." In einem Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft CBS macht der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) allerdings nicht den Eindruck, daß er von seiner Behauptung sonderlich überzeugt ist. Er ist nicht sicher, ob die Saudis seinem Rat folgen werden. Auf der nächsten arabischen Gipfelkonferenz will er vorschlagen, die Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages mit einem neuen Ölembargo zu kontern. Schon hat Kronprinz Fahd, Saudi-Arabiens "starker Mann", zu erkennen gegeben, sein Land werde sich Sanktionen gegen Kairo nicht anschließen.

Trotzdem haben die Vereinigten Staaten Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Sie haben verstärkten Schutz für ihre Botschaften im Nahen Osten, veranlaßt, denn die Gewaltandrohungen einiger arabischer Gruppen nimmt niemand auf die leichte Schulter. Außenminister Vance rechnet mit Schwierigkeiten nach der Vertragsunterzeichnung am kommenden Montag in Washington, aber langfristig mit einer Verbesserung der Lage. Die Überlegung der Regierung Carter ist einfach: Wenn die in Camp David vorgezeichnete Autonomie für die Palästinenser Gestalt gewinnt, dann werden sich die gemäßigten arabischen Staaten der neuen Entwicklung allmählich anschließen, dann geraten die Radikalen und nicht die Ägypter in die Isolierung. Ob diese Überlegung realistisch, zu optimistisch oder gar wirklichkeitsfremd ist, wird sich erst nach einiger Zeit herausstellen.

Gerade die gemäßigten Araber, allen voran die Saudis, brauchen Zeit, ihre nächsten Schritte gründlich zu überdenken. Sie stehen zwischen vielen Feuern. Die ersten Symptome der künftigen Haltung Saudi-Arabiens sind deshalb für die Vereinigten Staaten nicht entmutigend. Sie haben allerdings auch einiges getan, um die Haltung der Saudis günstig zu beeinflußen. Kurz vor seiner Reise nach Kairo und Jerusalem entsandte Jimmy Carter den Flugzeugträger "Constellation" in den Golf von Aden und zwei fliegende Radarstationen nach Saudi-Arabien. Gleichzeitig gab er die Weisung, Waffen im Werte von 800 Millionen Mark – darunter Jagdbomber vom Typ F-5, Panzer und Schützenpanzer – auf schnellstem Wege nach dem Nordjemen zu verschiffen. Zur Ausbildung der Jemeniten erhielten 90 Berater Marschbefehl; ihre Zahl soll in den nächsten zwei Jahren auf 300 steigen.

Dies alles geschah auf Grund eines dringenden Hilfegesuchs Saudi-Arabiens, das seinen Schützling und auch sich selber durch die Angriffe des sowjetisch unterstützten Südjemen bedroht sah. Carter nahm die Bedrohung zum Anlaß, den Saudis und anderen gemäßigten Arabern zu demonstrieren, daß auf Amerika, entgegen allen Verdächtigungen nach dem Sturz des Schahs, Verlaß sei, und daß es für die Sicherheit seiner Freunde auch militärisch eintritt.

Ob nun, wie einige Beobachter in Washington behaupten, der von der Arabischen Liga vermittelte jemenitische Waffenstillstand unter dem Druck der amerikanischen Waffenlieferung zustande gekommen ist, mag dahingestellt sein. Es zählt die Tatsache, daß die von den Saudis bestellten und finanzierten Lieferungen an den Nordjemen trotz der Feuerpause erfüllt werden sollen.