Hamburg

Kälte und Schnee haben aus manchen Hamburger Straßen eine Kraterlandschaft gemacht, die an Photographien vom jüngst erforschten Jupitermond erinnert. Die Schäden gehen in die Millionen. Schon jetzt steht fest, daß das Geld nicht reichen wird, um vor allem Straßen zu erneuern, die noch nicht frostsicher ausgebaut waren. So wird in den meisten Fällen nicht geklotzt, sondern gekleckert werden – „provisorische Instandsetzung“, bis wieder Geld da ist.

Teuer war der Winter auch für die Hamburger Stadtreinigung: 40 000 Tonnen Salz wurden verstreut – ein absoluter Rekord. Kosten: knapp 4 Millionen Mark. Zu Buche schlagen auch die monatlich 100 bis 120 Überstunden, die jeder der 500 Angestellten im Verlauf des Winters leistete, und die Beschäftigung weiterer 500 Mitarbeiter während der beiden „Katastrophen“. – „Die haben alle“, sagt Rolf Schnitzbauer von der Stadtreinigung, „bis zum Umfallen gearbeitet, teilweise in 16-Stunden-Schichten.“ Auch an den Wochenenden, an denen in der Kantine Schlafgelegenheiten aufgebaut wurden, hat keiner gekniffen. In die Chronik eingehen wird ein unermüdlicher Hobby-Koch, der die Schneeräum-Kollegen 60 Stunden lang mit Würstchen und Tee versorgte.

Der Winter kostete die Hamburger fast zwölf Millionen Mark mehr, als im Haushalt vorgesehen. Von den errechneten 32 Millionen Kubikmetern Schnee, die auf die Hansestadt niedergingen, wurden etwa 550 000 mit Lastwagen aus den Straßen geschafft. Der Rest schmolz – nach Wochen – unter der Sonne weg. Ohne sie hätte man, meint ein Sprecher der Stadtreinigung, runde acht Jahre zum Wegtransport per Schaufel und Lastwagen gebraucht.

Die gute Seite: Die Polizei registrierte weniger Unfälle als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, nur knapp halb so viele Verletzte und 13 Verkehrstote gegenüber 32 im letzten Jahr. Das Schneechaos ließ die Autofahrer scharenweise zu den öffentlichen Verkehrsmitteln überlaufen. Busse, S- und U-Bahnen beförderten bis zu 400 000 Fahrgäste mehr pro Tag.

Doch auch die Bahn hatte Probleme: S-Bahn-Motoren fielen aus, Stromschienen vereisten. Mit stundenlanger Verspätung und blaugefroren kamen Leute ins Büro. Nun wird mit neuen chemischen Enteisungsmethoden und speziell konstruierten Schneeräumfahrzeugen experimentiert, um für den nächsten Schneesturm gerüstet zu sein.

Ob der Einsatz von Bundeswehrhelfern bezahlt werden muß, ist noch unklar. Das Verteidigungskommando Hamburg schickte beim ersten Schnee-Einbruch rund 1500, bei der zweiten Winterwelle sogar 1800 „Grüne“ an die Schneefront, um Bahnsteige und Rangierbahnhöfe freizuschaufeln. Als Bestandteil der Ausbildung würde der Einsatz keinen Pfennig kosten, andernfalls muß die Deutsche Bundesbahn eine erhebliche Summe an das Verteidigungsministerium überweisen.