Von Thomas von Randow

Braungebrannt ist der Sportler, der im Freien trainiert; kaffeebraun kommt der Soldat aus dem Manöver; dunkle Haut zeichnet den kernigen Mann aus, den kühnen Bergsteiger, den Förster, den Seefahrer – und die teure Frau, die ihr Leben an Swimming-pools und auf Motorjachten verbringt.

Die Idole unserer Zeit, der Fußballer und der Playboy, haben sonnengegerbte Gesichter. Also hat, wer braun ist, angeblich eine gesunde, eine frische Gesichtsfarbe; er kann es sich leisten, in den sonnigen Süden zu fahren oder in den Skiurlaub, er hat genug Freizeit, um faul in der Sonne herumliegen zu können. Das ist erstrebenswert.

Den Bleichgesichtern, die im Haushalt, im Büro, in der Fabrikhalle oder in der Studierstube kaum mit der Sonne in Berührung kommen, blieb lange Zeit nur der Neid. Doch Neid macht erfinderisch. So kam vor über fünfzig Jahren ein Ingenieur mit käsigem Gesicht auf die Idee, eine nützliche Erfindung des Dänen Niels Ryberg Finsen in ein Kosmetikgerät umzufunktionieren. Finsen hatte als erster eine künstliche Quelle für den unsichtbaren Teil des Lichts geschaffen, der im Sonnenspektrum jenseits der violetten Farbe seinen Platz hat, das ultraviolette Licht. Mit einer Quarzlampe konnte der dänische Physiker dieses nicht leuchtende Licht erzeugen, von dem man wußte, daß es sterilisierend wirkt und sich darum für die Frischhaltung von Obst und Gemüse verwenden ließ.

Dieses UV-Licht tötet aber nicht nur Bakterien, es zerstört auch unsere Hautzellen. Doch die Haut kann sich davor schützen, einigermaßen wenigstens, wenn man ihr genug Zeit dazu läßt. Dann nämlich produziert sie ein Pigment, eine schwärzlich-braune Substanz, das Melanin, das sie an ihre Oberfläche transportiert, wo es nun wie ein Sonnenschirm die gefährlichen Strahlen in Wärme umwandelt und damit entschärft.

Mit einer Quarzlampe, so sagte sich der blasse Ingenieur, müßte sich die Sonne ersetzen lassen. Also; konstruierte er den Apparat, der jahrzehntelang „Höhensonne“ genannt wurde. Wer dies freilich öffentlich tat, etwa in einem Zeitungsartikel, der bekam (und bekommt vielleicht heute noch) einen zurechtweisenden Brief aus Hanau. Darin teilte ihm ein Hersteller solcher Ultraviolett-Lampen fürs Braunwerden mit, nur seine Produkte dürften Höhensonnen genannt werden, die anderen müßten Heimsonnen heißen. Es half nichts. Jeder nannte sie weiterhin Höhensonnen, ob sie aus Hanau oder sonst woher kamen.

Bis findige Reklamemacher einen neuen Namen dafür erfanden: Solarium. Der Name vermittelte den Käufern den Eindruck, dies sei etwas ganz anderes als die gute alte Höhensonne. Solarien wurden begehrt. Jeder, der etwas auf sich hält, läßt neben Sauna und Swimming-pool auch ein Solarium in sein Heim bauen. Und wer sich kein eigenes Haus leisten kann, hängt sich die UV-Lampe ins Schlafzimmer oder über das Bad. Solarien gehören lange schon zum Inventar feinerer Hotels, und natürlich haben Kurverwaltungen auch längst entdeckt, daß sich die Investition für eine Quarzlampe über einem kargen Holzbett lohnt, weil der Gast gern seinen Körper mit dem Kunstlicht bestrahlen läßt, wenn’s draußen, regnet. Schließlich will er einen Beweis für seine Gesundheit mit nach Hause bringen.