Von Ingo Heimfeld

Der Autor dieses Artikels ist Stellenvermittler und Arbeits-Berater in der Auslandsabteilung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt.

Um es vorweg zu sagen: Die Arbeitswelt in Entwicklungsländern ist keinesfalls eine Domäne der Frau. Die Chancen für Frauen, im Beruf erfolgreich tätig zu sein, sind im Vergleich zu den Industrieländern ausgesprochen gering. Dennoch kann von einigen Erfahrungen berichtet werden, die Frauen als integrierte Fachkräfte der Deutschen Entwicklungshilfe gemacht haben.

Frau Wolf, eine sympathische Dreißigerin, besucht mich während ihres Heimaturlaubs in Frankfurt. Sie ist von Beruf Psychologin und seit einem Jahr in Kolumbien an einer Universität in Cali tätig. Dort ist sie an der Entwicklung des Fachbereichs Psychologie beteiligt.

Mich interessiert, welche beruflichen und persönlichen Erfahrungen sie bisher gemacht hat. „Die Zusammenarbeit mit kolumbianischen Kollegen ist gut. Wir haben uns schnell verstanden. Weil ich auch finanziell den einheimischen Mitarbeitern gleichgestellt bin, gibt es keine Probleme.“ Hier sei angemerkt, daß Frau Wolf zwar nur das einheimische, also das in Kolumbien landesübliche Gehalt erhält, aber als integrierte Fachkraft der Entwicklungshilfe durch einen deutschen Gehaltszuschuß finanziell unterstützt wird. Sie will ihre Arbeit jetzt auf dem Gebiet der Gemeindepsychologie weiter entwickeln.

„Wie sind Sie bisher zurechtgekommen“, eine Frage, die mich immer interessiert. „Ja, Kolumdas Land der Räuber und Messerstecher“, sagt sie lächelnd, „aber es ist nicht gar so schlimm. Wichtig ist, daß man sich anpaßt und einordnen kann. Obgleich die Kriminalität – es ist eine Armutskriminalität – ein Problem darstellt, bin ich davon noch kein Opfer geworden. Ich benutze wie die meisten Kolumbianer die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Fahrt in den überfüllten Bussen ist nicht immer angenehm, aber man gewöhnt sich daran. Im Land kann man nicht allein herumfahren, aber ich habe viele kolumbianische Freunde.“ Frau Wolf hat nach ihrer Ankunft in Kolumbien Glück gehabt: Sie ist, gleich bei einer kolumbianischen Familie untergekommen, lernte verhältnismäßig rasch spanisch und konnte sich so auf die Mentalität gut einstellen.

Frauen als Fachkräfte der Entwicklungshilfe sind noch nicht allzu häufig anzutreffen; männliche Experten überwiegen bei weitem. In einigen Entwicklungsländern erhalten Ausländerinnen keine Arbeitserlaubnis, in anderen unterliegen sie strengen Verhaltensregeln, zum Beispiel in einigen arabischen Staaten, wo die strikten Gesetze des Koran Frauen sogar das Autofahren verbieten. Deutsche Firmen in diesen Ländern beklagen diese Reglementierung häufig, wenn die Ehefrauen ihrer Mitarbeiter als Lehrerinnen für die Schule, als Krankenschwestern oder als Sekretärinnen beschäftigt werden möchten.