Von Klaus Viedebantt

Sieben ist eine heilige Zahl. In sieben Teile sollte ich die Opfergabe zerlegen. Ich habe, zerknirscht sei es gestanden, den weihevollen Akt mit gotteslästerlich gemurmelten Flüchen begleitet. Aber wie sollte ich dieses widerlich klebrige Zeug denn zerteilen, wo doch jeder Krümel an den Fingern haftet wie Pech? Mit den dreizehn anderen Göttergaben war es leichter gewesen; die Blätter, Gewürzstengel und Kuchen waren mühelos zu zerbrechen. Doch dieser Brei war ein rechter Teufelskram – was immer es sonst auch sein mochte.

Mein Gastgeber schaute meinen Fingerübungen geduldig und ohne Einwände zu. Mir schien, er konnte sein klammheimliches Vergnügen an meinem Handwerk nur mühsam verbergen. Immerhin verstand er wenigstens meinen unfrommen Begleittext nicht.

Scheue Seitenblicke zeigten mir, daß ich es gut getroffen hatte. Einige meiner Reisekameraden waren, hier tief in Borneos Dschungel, an nachgerade preußisch-penible Familienväter geraten und mußten ihre Zerteilungszeremonie unbarmherzig wiederholen, wenn sie nicht ordentlich bis sieben gezählt hatten. Mein Gegenüber auf der durch das ganze Langhaus ausgelegten Strohmatte war großzügiger: Etwa sieben, dann ist es schon recht.

Wir waren die idealen Gäste für die Herren dieses Langhauses. Wir waren vierzehn, und vierzehn Familien wohnten auch einträchtig unter dem rund achtzig Meter langen Dach beisammen. Das glückliche mathematische Zusammentreffen war vielleicht einer der Gründe für den prächtigen Empfang und das Fest, die uns der einstige Kopfjäger-Stamm gaben. Das „Reisfest“, eine Art Erntedank, war der andere Grund. Aber nach Anlässen fürs Kreisen der Reiswein-Krüge sucht man im feierfreudigen Urwald von Sarawak ohnehin nicht lange, wurde uns beigebracht. Und überdies seien wir als besondere Gäste avisiert worden, weiß der Himmel, warum.

Die ersten Touristen waren wir im Land der Ibans gewiß nicht, auch nicht in diesem Langhaus, mochte das Ziel unserer Tour auch eine beschwerliche Halbtagesreise von der nächsten Straße entfernt liegen. Aber solch einen zeremoniellen Empfang, so versicherte uns glaubhaft unsere Reiseleiterin Mara, habe sie hier noch nie erlebt: Die Stammesoberen in farbenprächtige Tücher gewandet, der Eingang zum Langhaus mit Palmblättern und Orchideen geschmückt. Eines der wie Wildsäue aussehenden Hausschweine lag zur Opferung bereit, ein junger Mann stand mit selbstgebrautem Reiswein und unwirtlich schmutzigem Glas zum Empfang bereit, und zwischen alledem wimmelten die Kinder und Tiere des wie ein Dorf lebenden Stammeshauses herum.

Wir starrten ungläubig auf die quirlige Szene im Busch. Wie werden wir auf die Hausherren gewirkt haben, so pitschnaß, wie wir waren? Als wir sieben Stunden zuvor das komfortable Holiday Inn von Kuching verlassen hatten und auf Dschungeltrip gegangen waren, sahen wir noch aus wie deutsche Urlauber allenthalben – erwartungsvoll und im properen Freizeitanzug. Und als wir nach ausgedehnter Busfahrt bei strahlendem Sonnenschein am Skrang River in die langgestreckten Einbaumboote stiegen und die Bootsführer ablegten, waren wir bestenfalls etwas zerknittert.