Das Windigste wird aus vielen Romanen gezogen, dem Götzen Publikumsverständnis ein Filmchen vorzusetzen. Als könnte ein Film dem Publikum die Last abnehmen, ein Opfer der allgemeinen Daseinsvergiftung zu sein. Ich wünsche mir jemand, der einmal nach einem meiner Filme einen Roman schreibt, die ewige Gedankenverminderung von Literatur zum Film einmal auf den Kopf zu stellen.

Herbert Achternbusch in der Münchner Kulturzeitschrift ,,S!A!U!“, Nr. 4, in der auch Texte von Fassbinder, Syberberg, Kristl, Lemke, ein Kapitel aus den Erinnerungen des jüngst verstorbenen Filmproduzenten Harry R. Sokal und Lyrik von Fitzgerald Kusz und anderen zu finden sind.

Kein Wortscheißer

Nun gibt es eine Preisliste für literarische Beschimpfungen; man kann jetzt als Autor sich entscheiden, wie teuer einem ein Gegner ist. Den renommierten Berliner Soziologieprofessor und Erzähler Urs Jaeggi soll es 30 000 Mark kosten – in seinem von der gesamten Literaturkritik hochgelobten Roman „Brandeis“ hat er einen in Fachkreisen wenig angesehenen Kollegen durch literarische Schmährede zum Ruhm verholfen, ihn ein Brechmittel genannt, einen hochprozentigen boche und Schleimer, der mit großer Geste dümmste und widerliche Sachen gravitätisch vortrüge; Jaeggi spricht von einem elegant gekleideten Wortscheißer und Fasler – eine amüsante, verbal heftige Philippika, eine Karikatur im klassischen Sinne. Die Geschichte der Literatur ist voll derlei Bösartigkeiten – von Schillers Lady Milford zu Thomas Manns Mijnheer Peeperkorn. Gerne hat derlei gewiß nie jemand über sich gelesen, und Gerhart Hauptmann nahm Thomas Mann den Peeperkorn noch Jahrzehnte übel; als sein Schneider ihm ruhmsüchtig erzählte, im 1. Stock sei der „Zauberberg“-Autor zur Anprobe, sagte er: „Ach, wirklich?“ – und verließ das Geschäft. Neu ist, daß der Betroffene die Gerichte bemüht, daß jemand, weniger durch wissenschaftliche Publikationen bekannt als durch dubiose Kontakte zum griechischen Obristenstaat oder durch den Besuch des griechischen Exilkönigs in seiner Seminarstube, gerichtlich klagt, gleich zweimal. Der Verlag mußte die inkriminierte Stelle schwärzen und soll 10 000 Mark Schmerzensgeld zahlen; neben den 30 000, die der Kollege vom Kollegen Jaeggi haben will, zuzüglich zwölf Pkw-Kilometer = 4,80 Mark und Tage- und Abwesenheitsgeld = 20 Mark. Zugrunde legt der Soziologe die Rechtsprechung im Fall eines ehrgekränkten Herrenreiters – gut Ritt!

Der falsche Fürst

In Gert Heidenreichs Artikel „Der Geist weht rechts“ (ZEIT Nr. 9/79) hieß es: „Vom ‚Reichsverband der Soldaten RDS‘ über die SS-Gemeinschaft HIAG weist der Weg zum Fürsten Schaumburg-Lippe, der 1978 den inneren Frieden Europas für einen Zeitpunkt weissagte, ‚wenn eine der Rassen die Alleinherrschaft errungen hat‘.“ Philipp-Ernst Fürst zu Schaumburg-Lippe legt auf die Feststellung Wert, daß er weder diese noch eine andere ähnliche Äußerung getan habe noch auf irgendeine Weise zu den im Artikel bezeichneten Organisationen in Beziehung steht. Die Äußerung stammt von Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, sie ist entnommen dem Organ der Naturpolitischen Volkspartei Fanal.

Zeichnung in Nürnberg