Mann – Frau

Immer noch werden Frauen in der Bundesrepublik zum Mann ausgebildet: zum Bankkaufmann, zum Einzelhandelskaufmann, der die Kaufmannsgehilfenprüfung ablegt, zum Diplomkaufmann. Daß das Grundgesetz seit nunmehr dreißig Jahren die Diskriminierung verbietet, scheint ohne Belang zu sein. Kauf frauen tauchen allenfalls im Handelsregister auf. In Ausbildungsberufen gibt es sie nicht, denn die Ausbildungsordnung stellt fest: „Die Berufsbezeichnung sollte sich nicht danach richten, ob in dem Beruf überwiegend männliche oder weibliche Beschäftigte tätig sind. Insofern erscheint die männliche Berufsbezeichnung neutral. Weibliche Berufsbezeichnungen sollten daher nicht verwendet werden.“ Doch was den Frauen als völlig selbstverständlich zugemutet wird, gilt für den Mann noch lange nicht. Männliche Hebammen heißen natürlich Geburtshelfer und nicht anders. Gleichberechtigung beginnt aber bereits in der Sprache. Es wäre deshalb an der Zeit, daß sich die Sprache den Realitäten anpaßt, daß die Ausbildungsordnungen (zuständig der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft) geändert werden.

Wahltratsch

Geheimtip am Wahlabend im Schöneberger Rathaus: „Didi“ Hallervorden, Blödelbarde, der mit, seinen dummen Sprüchen die Wahlwerbung der FDP auf originelle Weise belebt hat, soll nächster Innensenator in West-Berlin werden. Tipgeber: Innensenator Peter Ulrich (SPD), dem Amtsmüdigkeit bislang nicht anzumerken war.

Späte Ehren

Das Kadar-Regime, das 1956 nach dem Scheitern des ungarischen Aufstandes von den Sowjets eingesetzt wurde, glaubt es dem ungarischen Volke noch immer schuldig zu sein, sich von der stalinistischen Ära der 40er, 50er Jahre zu distanzieren. Am 70. Geburtstag Laszlo Rajks, des nationalkommunistischen Führers, der 1949 als „Titoist“ gehängt worden war, versammelten sich in Budapest Spitzenfunktionäre von Partei und Regierung an seinem Grabe, unter ihnen Staatspräsident Lajos Feher. Die Rehabilitierung Rajks im Sommer 1956 war einer der Auslöser für den ungarischen Aufstand.

Flüchtlingssterben

Mehr als 10 000 Menschen sind seit Sommer vergangenen Jahres in den überfüllten Flüchtlingslagern von Bangla Desh zugrundegegangen, darunter über 7000 Kinder. Der Grund: Krankheiten, vor allem aber Hunger. Angehörige des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge sind erstaunt über das Ausmaß der Unterernährung, denn immerhin sind den Lagerbehörden 30 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Offensichtlich hat aber niemand aufgepaßt, daß dafür auch Lebensmittel gekauft wurden. Die Bangladeshis sind nämlich nicht daran interessiert, die Lage der Flüchtlinge in ihrem hoffnungslos übervölkerten Land zu verbessern. Sie wollen statt dessen erreichen, daß die 200 000 Menschen, die als Bangla-Desh-Minderheit Burma im Sommer verlassen mußten, schnellstens repatriiert werden.