Panzergeneral Gert Bastian mag überrascht gewesen sein. Und doch widerfuhr ihm nur das Übliche: Wenn einer eine Meinung sagt, die anderen mißfällt, untersuchen die Gegner zuerst einmal, ob er dies denn überhaupt sagen dürfe. Schließlich ist es wirksamer, eine Meinung unterdrücken zu können, als ihr in der Sache widersprechen zu müssen. Franz Josef Strauß lag mit seiner Forderung, den General von seinem Kommando abzulösen, ganz auf dieser Linie.

Nun sind Soldaten ebenso wie Beamte verpflichtet, sich bei öffentlichen Äußerungen zurückzuhalten. Das ist eine Frage sowohl der Form wie des Inhalts. Bastian hat weder die Form verletzt noch sich in der Sache unangemessen oder gegenüber der politischen Führung illoyal geäußert. In der Substanz liefen seine Diskussionsbemerkungen bei einer Juso-Versammlung darauf hinaus: Er verstehe Herbert Wehner so, daß die Sowjetunion uns nicht angreifen und ihre Rüstung deshalb defensiv sei. Gewiß aber würde sie bei einem Konfliktfall offensiv eingesetzt. Für eine irrationale Angst der Russen vor dem furor teutonicus sollten wir Verständnis haben. Es sei „naiv zu meinen, unsere jetzige Friedfertigkeit müsse ohne weiteres alle überzeugen, die noch vor einer Generation unter unserer Gewalt gelitten haben.“

Was soll denn Schlimmes daran sein, daß es in der Bundeswehr Generäle gibt, die so denken und dies auch sagen. An Scharfmachern herrscht ohnehin kein Mangel. H. Sch.