Gegen die bürokratische Bevormundung – Plädoyer für einen radikalen Neuansatz in der Bildungspolitik

Von Klaus Boeckmann

Warum sind die Verhältnisse an deutschen Schulen so, daß man nicht tun kann, was man für pädagogisch sinnvoll hält? Und warum sind viele deutsche Lehrer so eingestellt, daß sie die Beschränkungen ihres Handelns für geradezu naturgegeben halten?

Mir erscheinen diese Fragen wichtiger als die fortgesetzten Diskussionen über das Für und Wider von Gesamtschulen oder anderen Schulmodellen. Denn diese Diskussionen gelten dem Ziel, eine bestmögliche Schulform zu finden, um diese dann statt der bisherigen von Staats wegen vorzuschreiben. Aber werden die Lehrer dadurch pädagogisch beweglicher werden? Kann dieser neue Rahmen je so gut sein, daß pädagogische Eigeninitiative unwichtig wird? Ist der Staat nicht vielleicht grundsätzlich überfordert, wenn er „verfügen“ soll, was pädagogisch sinnvoll ist?

Ich behaupte, daß es die gesuchte bestmögliche Schulform gar nicht gibt und daß daher die Reformen der letzten Jahre, die eben darauf gerichtet waren, mißraten mußten. Wir können so viele Reformen versuchen, wie wir wollen: Wir werden damit nie glücklich werden, solange wir daran festhalten, die Schule müsse staatlich normiert und zentral verwaltet werden. Denn diese Art der Organisation bevormundet Lehrer, Schüler und Eltern so sehr, daß sie deren eigenes Handeln lähmt. Sie behindert die Lehrer dabei, die Schüler zu erziehen, und sie behindert die Schüler dabei, zu lernen, was sie lernen sollen oder lernen wollen.

Dabei sind wir frei, diese Organisationsform zu ändern. Sie besteht keineswegs als Sachzwang, sondern ist ein Erbe unserer Vergangenheit. Wir müssen uns nur aus gewohnten Denkweisen befreien.

Wie sieht die Organisationsform aus, die wir als normal zu. betrachten uns gewöhnt haben?