Die Grünen hierzulande wissen es bereits seit längerem: Auch der Osterhase mag keine Atom-Eier; denn zu oft schon zeigten sie gefährliche Schadstellen, entschlüpften ihnen radioaktive Abgase und zu viel Abwärme. Auf weitere Nachteile, die sich aus der Atomstrom-Erzeugung ergeben, verweist Frederic Vester in seinem Bilderbuch „Das (faule) Ei des Kolumbus“. Herausgegeben wird diese großformatige Broschüre von der „Studiengruppe für Biologie und Umwelt“. Wer Glück hat, bekommt eines der 1700 Freiexemplare, die das Umweltbundesamt finanzierte und der „Bund Natur- und Umweltschutz“ verteilt. Der bestsellernde Biochemiker klopft das Atom-Ei kritisch ab, untersucht häufig zu hörende Gegenargumente, die er thesenartig zusammenfaßt: Atomstrom bringt saubere Energie, Wachstum und Wohlstand. Kernkraftwerke bringen Arbeitsplätze und sind umweltfreundlich. Der Ausweg aus der Energiekrise Was auf der ersten Seite steht, das gerät auf den folgenden zunehmend in’s Wanken. Dort werden nämlich all die nachteiligen Auswirkungen im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereich dargestellt. Frederic Vester läßt die Atomstrom-Befürworter in sein kybernetisch angelegtes Netz laufen; und am Ende dieses lesenswerten Energie-Bilderbuches erfährt man noch, womit endlich angefangen werden sollte: mit der verstärkten Entwicklung von umweltfreundlichen Alternativ-Technologien. (Frederic Vester: „Das [faule] Ei des Kolumbus“, ein Energiebilderbuch, herausgegeben von der Studiengruppe für Biologie und Umwelt GmbH, München; Auslieferung: Kösel-Verlag, München, 1979; 18 S., Abb., 12,– DM) Werner Hornung