Noch zu Beginn der siebziger Jahre hätte es jedermann für normal gehalten, doch im März 1979 wirkte es auf viele Beteiligte und Betroffene überraschend: der Bundeswirtschaftsminister hat sich in einem ellenlangen, öffentlich gehaltenen Vortrag zu praktisch allen wichtigen Details der Bankenpolitik geäußert und dabei auch beträchtliche Änderungen vorgeschlagen.

Dieser Auftritt stiftete vor allem deshalb Verwirrung, weil die Bankenpolitik längst zum Ressort des Bundesfinanzministers gehört; doch nicht Hans Matthöfer hat sie, vör den in diesen Tagen in Bonn versammelten deutschen Bankiers, ausführlich behandelt, sondern eben Otto Graf Lambsdorff. Die Banker vernahmen es mit Verwunderung, und auch der Finanzminister soll, wie man hört, darüber irritiert gewesen sein.

Lambsdorff hat unter anderem dafür plädiert, den Anteilsbesitz von Banken an anderen Wirtschaftsunternehmen auf höchstens 15 Prozent des jeweiligen Kapitals zu begrenzen; im ursprünglichen Entwurf seiner Rede blieb er sogar noch darunter: zehn bis fünfzehn Prozent. Außerdem hat er angeregt, den Banken ein bestimmtes. Mindesteigenkapital im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme vorzuschreiben.

Der liberale Minister geht damit über die Vorschläge hinaus, die sich demnächst im Gutachten einer vom Bundesfinanzminister eingesetzten und vom früheren Bonner Justiz-Abteilungsleiter Ernst Gessler geleiteten Kommission finden werden. Denn darin wird nur von einer Begrenzung des Anteilsbesitzes auf höchstens „25 Prozent plus einer Aktie“ die Rede sein; und auch die Eigenkapital-Bestimmungen, zu denen sich die Kommission nur mühsam durchringen konnte, bleiben hinter den Anregungen des Bundeswirtschaftsministers zurück.

Das alles hätte natürlich auch der Bundesfinanzminister den Bankiers mitteilen können. Doch Matthöfer beließ es bei recht allgemeinen Formulierungen. Er wolle, so hieß es dazu in seinem Haus, dem noch nicht veröffentlichten Gutachten der Gessler-Kommission nicht vorgreifen. Doch ein führender Sprecher des Bankgewerbes sieht Matthöfers Zurückhaltung anders begründet: „Der steuert auf Kanzler-Kurs und wil so wenig wie möglich anecken.“

Die Bauern können bald wieder einmal aufatmen: sie werden den größten Teil ihrer beträchtlichen Steuervorteile auch über die achte Legislaturperiode des Bundestages hinwegretten und dann auf viele Jahre zementieren können. Das scheint nun so gut wie sicher, nachdem sich zu Beginn der Woche die führenden Agrar- und Finanzexperten der Bonner Koalitionsfraktionen über die Besteuerung der Landwirte unterhalten haben. Schon im Mai soll nun das Bundeskabinett einen von Bundesfinanzminister Hans Matthöfer erarbeiteten und von Landwirtschaftsminister Josef Ertl retuschierten Gesetzentwurf verabschieden.

Nach diesem Entwurf werden die Landwirte von ihren auf rund zwei Milliarden Mark geschätzten Steuervorteilen kaum mehr als 300 Millionen Mark herausrücken müssen; großzügige Steuerfreibeträge und, ein Unikum, ein spezieller Steuerabzugsbetrag werden dafür sorgen, daß es für Landwirte ersprießlicher bleibt als für die anderen, brave Staatsbürger zu sein Und der Anteil der buchführungspflichtigen Landwirte, der derzeit nur etwa bei einem Zehntel aller Bauern liegt, wird zwar ein wenig, aber doch nur in Maßen steigen – auch darin bleibt den deutschem Bauern ihre Privilegierung gegenüber ihren Berufskollegen, etwa in den Niederlanden erhalten.