Der Bahntourismus war zwar, wie in den vorangegangenen Jahren, auch 1978 rückläufig. Aber dennoch hat die Bundesbahn Grund zur Freude: Ihr eigenes Touristik-Programm mit dem Schwerpunkt auf Städtetouren und Kurzurlaubsfahrten weist in den einzelnen Sparten Steigerungsraten von mehr als zwanzig Prozent auf.

Im letzten Jahr buchten weit über 100 000 Reisende Städtetouren. Deren Angebot umfaßt zwar 50 Städte diesseits wie jenseits der Grenzen, aber die Beliebtheitsrangliste hat sich nicht verschoben. Im Inland ist München vor Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Bremen das gefragteste Ziel. Im Ausland hält Paris die Spitzenposition vor Kopenhagen, Amsterdam, Wien und London.

In dieser Hitliste bahnt sich allerdings ein Wechsel an; die bayerische Hauptstadt wird eventuell in diesem Jahr von der Preußen-Metropole an der Spree überflügelt werden. Bereits im letzten Jahr könnte Berlin mit einem Buchungsplus von 4687 Gästen eine Steigerungsrate von knapp 73 Prozent erzielen.

Diese Räte wäre vielleicht noch höher ausgefallen, wenn das chronisch zimmerknappe Berlin mehr Hotels hatte. Wegen des Bettenmangels muß sich derzeit noch jeder Städtetourenkunde mit dem Ziel Berlin beim dortigen Verkehrsamt schriftlich eine Unterkunft bestätigen lassen, ehe die Bahn ihm diese Reise verkauft. Das soll in Kürze aber besser werden: Die Bundesbahn will das Programm über einen Buchungscomputer abwickeln, das erspart den Brief an die Spree. Überdies wächst die Zahl der Hotelzimmer in Berlin dank einiger Neu- und Ausbauten.

Unter dem Markenzeichen „DB-Pauschal“ laufen die vor drei Jahren erstmals angebotenen Kurzreisen, die 1978 schon rund 25 000 Passagiere buchten. Hier sind die meistgefragten Ziele im Inland Westerland (Sylt), Bad Hamburg und Garmisch-Partenkirchen, und im Ausland Lugano, Interlaken und Bozen.

Acht Ferienorte fanden nicht genügend Interessenten und wurden aus dem Angebot gestrichen, beispielsweise Bad Mengenthelm, St. Peter-Ording, Travemünde und Lüneburg. Elf Orte wurden dafür neu in das Programm aufgenommen Bad Ems, Bernkastel, Coburg, Damp 2000, Deidesheim, Eberbach, Heilbronn, Königswinter, Malente und die beiden österreichischen Bäder Kleinkirchheim und Schönau.

Im Sommer sticht die Bahn in See, nicht wie gewohnt mit Fährschiffen an den nördlichen Küsten oder auf dem Bodensee, sondern mit Kreuzfahrtschiffen ins Mittelmeer. Als „Markttest“ hat die Bundesbahn Kontingente auf den Schiffen „Atalante“ und „Federico C“ gebucht.