Von Dietrich Strothmann

Das Fest ist aus, der Alltag beginnt – ein Alltag voller Herausforderungen. Selbst wenn Zug um Zug erfüllt wird, was Israelis und Ägypter mit Brief und Siegel einander versprochen haben – Rückzug, Botschafteraustausch, Handelsverkehr –, so stehen die nächsten Hindernisse schon längst auf ihrem Weg zum Frieden.

Der ägyptische Präsident Anwar el Sadat wollte stets einem Separatvertrag mit Israel ausweichen. Er muß geahnt haben, welchen Anfeindungen seiner arabischen Brüder er sonst ausgesetzt sein wird. Darum forderte er bis zuletzt einen besonderen Vertragsartikel, der den Friedensvertrag mit einer Autonomie für Westjordanien und Gaza verkoppelt. Doch er drang damit nicht durch. Nun steht er als Verräter da, dem der Tod angedroht wird.

Dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin, dessen politische Zukunft vom Zustandekommen des Friedensvertrags abhing, war bewußt, daß eine vorgezogene Autonomiedebatte im Jerusalemer Parlament die Vertragszustimmung gefährden würde. Darum machte er seinem Koalitionspartner, den Nationalreligiösen, per Brief einige Zugeständnisse, um den Streit zu vertagen. Aber jetzt wird er ihn ausfechten müssen.

Es bleibt nun bei einer lockeren Übereinkunft über Stufen und Formen einer künftigen Selbstverwaltung der Palästinenser in ihren, von den Israelis besetzten Gebieten. Dabei ist noch nicht einmal die Rede von einer Räumung der syrischen Golanhöhen und vom künftigen Status der Stadt Jerusalem, zumindest ihres arabischen, 1967 vom israelischen Parlament per Gesetz annektierten („wiedervereinigten“) Teils. Zunächst geht es – wie im September 1978 in Camp David festgelegt – um die Einführung einer palästinensischen Autonomie in Westjordanien und Gaza. Doch unter welchen Bedingungen und wann?

Sadat, der mit dem Friedensvertrag als „ersten Schritt“ für die Lösung des Palästinenserproblems mehr erreicht hat als jeder andere arabische Staatsmann, verlangt eine volle Selbstverwaltung. Sie soll die Vorstufe für einen Staat Palästina sein, gebildet aus den beiden Gebieten mit ihren rund eine Million Bewohnern.

Begin ist mit seinem Autonomieplan immerhin von seinen alten Okkupationsideen abgerückt (Israels „Rückkehr in die Heimat seiner Vorväter“), ist aber nur zu Statusveränderungen bereit: zu einer Teilautonomie. Israel beansprucht unbefristet militärische und zivile Präsenz – in Form von Armeestellungen und Wehrdörfern, deren Zahl noch vergrößert werden soll. Eine arabische Verwaltung wäre lediglich für interne Angelegenheiten zuständig.