Im Kanton Wallis vor Gericht: Ein Bauunternehmer und zwei Behörden-Chefs

Der „Wilde Westen“ der Schweiz – das ist der Kanton Wallis, von den übrigen Eidgenossen abfällig „Außerschweiz“ genannt. Im Wallis blühen nicht nur Tomaten und Aprikosen, sondern mit schöner Regelmäßigkeit auch Skandale.

Bargeld lacht, heißt ganz unschweizerisch die Walliser Parole – mitunter auch bei Staatsbeamten. Man kann sich’s leisten, vorausgesetzt man gehört der richtigen Partei an. Denn im Kanton herrscht seit dem 19. Jahrhundert eine einzige Partei, die Christliche Demokratische Volkspartei (CVP). Die Abteilungsleiter der staatlichen Stellen, auserwählt von der Partei, schalten und walten im Wallis denn auch „wie kleine Götter“ (Neue Zürcher Zeitung). „Die Korruption ist sehr verbreitet“, schimpft die Präsidentin der oppositionellen Walliser Sozialdemokraten, „und sozusagen institutionalisiert.“

„Von der Mentalität, die Staatskasse gehört uns, der CVP“, warnte ein Redakteur des Confréré: Bis in die Welt der illegalen Schritte führe nur ein kleiner Schritt. Und den taten André Fillippini, Eigentümer der einst florierenden Walliser Tiefbau-Firma Savro S. A., zusammen mit seinen Kumpanen Jean Vernay und Maurice Pasquiloni, Ex-Chef der Abteilung für Straßenunterhalt im Walliser Baudepartement der eine, Ex-Chef der Walliser Verkehrspolizei der andere. Das Trio hat die Walliser Staatskasse insgesamt um 3,5 Millionen Franken geschröpft.

Die Liste der Missetaten der drei Sünder ist lang. Da wäre zuerst einmal die Sache mit der Doppelbezahlung von Rechnungen für Straßenbelagmaterial, mit der das Triumvirat die Walliser Staatskasse um 615 312 Franken und 20 Rappen erleichterte. Für Staatsaufträge pflegte man im Wallis jeweils Gutscheine auszustellen. Die wurden, war die Arbeit ausgeführt oder das Bestellte abgeliefert, von den staatlichen Aufsehern unterzeichnet und zusammen mit der Rechnung eingereicht, worauf die Bezahlung erfolgte.

Die Gutscheine wanderten dann, ohne irgendwie markiert zu werden, in die staatliche Ablage. Doch von dort fanden sie auf wundersame Weise ihren Weg zurück zur Savro, die sie zusammen mit neuen Rechnungen nochmals einreichte, und prompt ein zweites Mal kassierte. Den Profit teilten Fillippini und Straßenbau-Chef Vernay unter sich auf.

Doch die beiden konnten die Taschen nicht voll genug bekommen. Zwecks Import billiger italienischer Leitplanken reaktivierten sie die Briefkastenfirma „Société des Pierres Naturelles“ (SPN). Der Zwischengewinn, den die Firma bei Leitplankenbestellungen des Kantons Wallis abschöpfte, lag bei runden 200 Prozent. Und dank Fillippinis Spezis in der Verwaltung stieg der Walliser Leitplankenbedarf enorm an. An die zwei Millionen Franken blieben bei der Briefkastenfirma und ihren beiden Eignern hängen.