Brüssel auf der Suche nach zusätzlichen Einnahme-Quellen

Von Hans-Hagen Bremer

Es ist noch nicht allzu lange her, da klagten die Deutschen, sie seien die Zahlmeister Europas. Heute sind es die Engländer, die unter der ständig schwerer werdenden Finanzlast ihrer EG-Mitgliedschaft stöhnen. Aus gutem Grund.

Anders nämlich als die Bundesrepublik, das wirtschaftlich leistungsfähigste Land der Europäischen Gemeinschaft, rangiert Großbritannien auf der Wohlstandsskala des Brüsseler Neuner-Klubs weit hinten, auf dem drittletzten Platz. Dennoch tragen die Briten neuerdings mehr zur Finanzierung der Gemeinschaft bei als die Bundesbürger.

Noch 1976 war der Betrag, den die Bundesrepublik netto, also nach Abzug der Rückflüsse aus dem EG-Haushalt, an die Gemeinschaft überwies, ungefähr fünfmal so groß wie der Beitrag Großbritanniens. Seitdem hat sich die Belastung für die Deutschen jedoch ständig verringert, während Großbritannien in Brüssel immer stärker zur Kasse gebeten wurde.

Angst vor neuem Gefeilsche

Im vergangenen Jahr übertrafen die Briten mit einer Netto-Überweisung von knapp fünfzig Mark je Einwohner erstmals die Leistung der Deutschen, die die Solidarität mit den EG-Partnern pro Nase nur 34 Mark kostete. Kein Wunder, daß die Abgesandten der britischen Krone – ob Schatzkanzler Denis Healy, Außenminister David Owen oder Premierminister James Callaghan höchstpersönlich – in Brüssel auf Änderungen drängen. Denn alle Hochrechnungen deuten darauf hin, daß die Beitragslast Großbritanniens auch in Zukunft überproportional zu seiner Wirtschaftskraft steigen wird.