Von Michael Jungblut

Riad, Ende März

Syriens Staatschef Assad warnte Sadat, er werde für seine „feigen Taten“ zur Rechenschaft gezogen; der Palästinenserchef Arafat drohte dem ägyptischen Staatspräsidenten mit dem Tod; im israelisch besetzten Westjordanien und im Libanon wurde mit einem Generalstreik gegen die Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages demonstriert; in Teheran besetzten schwerbewaffnete Jugendliche die ägyptische Botschaft. In Saudi-Arabien, dem für den Westen wegen seines Ölreichtums wichtigsten arabischen Land, blieb es dagegen ruhig.

Soweit sich dies in Gesprächen mit Saudis erkennen läßt, scheint eine Mehrheit der Bevölkerung das Abkommen zwischen Israel und Ägypten grundsätzlich zu billigen. „Wenn nicht die Gefahr bestünde, daß das arabische Lager dadurch in zwei feindliche Blöcke gespalten wird, wäre ich für Sadat“, erklärte ein junger saudischer Ingenieur in Riad. Er hat volles Verständnis dafür, daß Ägypten alles versucht, um sich von den gewaltigen finanziellen Lasten seiner Rüstung wenigstens teilweise zu befreien. „Die, Ägypter gehören zu den ärmsten Völkern im arabischen Raum und haben auch einen Anspruch darauf, daß sich ihr Lebensstandard verbessert.“

Ein Manager, der in einem amerikanischsaudischen Unternehmen arbeitet, bekundet ebenfalls: „Vierzig Millionen Ägypter können sich nicht ständig von zwei Millionen Palästinensern vorschreiben lassen, was sie zu tun oder zu lassen haben.“ Und ein anderer Saudi, Angehöriger einer der führenden Familien, der einem europäischen Unternehmen als „Sponsor“ dient, bewundert sogar den Mut von Sadat und meint, daß „einer der arabischen Führer den Anfang machen mußte – und das konnte nach Lage der Dinge nur der ägyptische Präsident sein“.

Offiziell klingt es nicht ganz so freimütig. Die Antworten des saudi-arabischen Kronprinzen und (faktischen) Regierungschefs Fahd auf die Fragen des amerikanischen Nachrichtenmagazins Newsweek sind typisch dafür, wie die meisten Regierungsvertreter auf Fragen westlicher Besucher reagieren. Da drückt Fahd Präsident Carter „unseren tiefen Dank und Anerkennung für die unablässigen und gewaltigen Anstrengungen aus, Israels Rückzug vom ägyptischen Territorium zu sichern.“ Da betont er auf die Frage, ob sein Land einen arabischen Boykott Ägyptens mitmachen und die diplomatische und wirtschaftliche Unterstützung beenden werde: „Diese Regierung hat keine solche Erklärung abgegeben.“ Der Kronprinz weist zudem darauf hin, daß Saudi-Arabien „zutiefst um das Wohlergehen aller arabischen Staaten bemüht sei“. Das schließt dann wohl auch Ägypten ein.

In den Ministerien will niemand etwas von einer Abkühlung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wissen. „Die Zusammenarbeit mit Amerika ist sehr gut“, sagt der stellvertretende Finanzminister – Mansour al-Turki. „Selbst wenn es in den letzten Wochen gelegentlich Probleme gegeben hat, berührt dies unsere Beziehungen nicht wirklich. Dafür sind wir viel zu sehr aufeinander angewiesen.“ Amerika und Europa brauchen das Öl der Saudis, die Regierung in Riad braucht die westliche Technologie und Waffen aus Amerika.