Ein Gespräch mit dem tansanischen Staatschef Julius Nyerere

Von Jonathan Power

Julius Nyerere, der 57jährige Präsident von Tansania, hat das größte Gewicht unter den Staatschefs der sogenannten Frontstaaten in Afrika. Sein, Wort zählt besonders bei den Verhandlungen-zwischen Schwarz und Weiß über die Zukunft des südlichen Afrika. Jonathan Power befragte Nyerere zu den Themen Rhodesien und Südafrika. Wir veröffentlichen das Interview in Auszügen.

Frage: Nachdem sich die Mehrzahl der rhodesischen Wähler für eine schwarze Mehrheitsregierung entschieden hat, und zwar gemäß den Regeln, wie sie von Ian Smith und seinen Mitregierenden aufgestellt worden sind, wäre es da. nicht an der Zeit, daß Sie aufhörten, die „Patriotische Front“ zu unterstützen, die diese „interne Lösung“ unterlaufen will?

Nyerere: Nein! Ich habe immer gesagt, daß Smith nicht für die Mehrheitsregierung ist. Smith hat sich nicht gewandelt. Vielmehr ist die „Patriotische Front“ zum Kampf angetreten und Smith ist es klargeworden, daß er diesen Krieg verlieren wird. Ich weiß, was für eine „interne Lösung“ er anstrebt. Er will eine Verfassung, die die Vormachtstellung der weißen Minderheit auf ich weiß nicht wie viele Jahre festschreibt.

Frage: Dennoch wird am 20. April in Rhodesien gewählt werden. Der amerikanische Senat wird möglicherweise Beobachter entsenden, die internationale Presse wird zur Stelle sein. Wenn diese Leute erklären, daß die Wahlen einigermaßen frei und fair stattgefunden haben, würden vielleicht die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen Rhodesien aufgehoben; möglicherweise gibt es dann auch schon eine konservative Regierung Thatcher in Großbritannien. Fürchten Sie eine solche Entwicklung nicht?

Nyerere: Ja, ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, ich wäre nicht beunruhigt. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, den Westen dazu zu bringen, sich hinter die Befreiungskräfte zu. stellen. Allerdings, wenn die Dinge so laufen, wie Sie es sagen, dann würde das bedeuten, daß sich Großbritannien und die Vereinigten Staaten auf die Seite des Feindes schlagen. Wir müssen dem ins Gesicht sehen, wir müssen kämpfen. Wenn die „Patriotische Front“ immer noch willens ist zu kämpfen, und Russen, Chinesen und die anderen kommunistischen Staaten bereit sind, uns mit Waffen zu versorgen, dann werden wir kämpfen.