Die vor dem Bankentag in Bonn von Bundesbankpräsident Emminger getroffene Feststellung, wonach die Konjunktur jetzt keine finanziellen Impulse mehr nötig hat, in einigen Wirtschaftsbereichen die Kapazitätsgrenzen bereits erreicht sind und deshalb die Inflationsgefahren wachsen, rief auf den deutschen Aktienmärkten eine recht merkwürdige Reaktion hervor: Man kaufte zu steigenden Kursen, obwohl die Anzeichen für einen restriktiveren Kurs der Bundesbank nicht mehr zu übersehen sind.

Aber zunächst einmal sahen sich die Konjunkturoptimisten bestätigt, die für dieses Jahr steigende Unternehmensgewinne voraussagen. Die der Deutschen Bank nahestehende Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung (Degab), Frankfurt, schätzt, daß auf den achtprozentigen Gewinnanstieg im Jahre 1978 eine zehnprozentige Zunahme folgen wird. Eine deutliche Besserung der Ertragslage erwartet die Degab in der Chemie (plus 16 Prozent), Versorgungsindustrie (plus 13 Prozent), Warenhausunternehmen (plus 25 Prozent) und bei den Elektrounternehmen (plus 6 Prozent).

Kein Wunder, wenn in diesen Tagen recht massiv Warenhaus-Aktien gekauft worden sind. Und dies augenscheinlich auf Rechnung potenter Aktienfonds. Wachsen sollen in diesem Jahr auch noch einmal die Gewinne der Auto-Konzerne. Dabei wird unterstellt, daß der mit Sicherheit steigende Benzinpreis auf den Absatz der Konzerne keinen entscheidenden Einfluß gewinnen wird, wie überhaupt bei allen Prognosen das Problem Ölpreisverteuerung ausgeklammert zu werden scheint.

Aber das ist nicht die einzige Gefahr, die den Aktienkursen droht. Mit einiger Verzögerung werden sich auch die steigenden Zinsen negativ auf den Aktienmarkt auswirken. K. W.