Der Konflikt um die ehemalige spanische Kolonie Westsahara droht nun Marokko und Algerien in einem offenen Krieg zu führen. Rabat muß eine Entscheidung erzwingen.

Die spanische Sahara wurde 1975 – gegen den Willen der Bevölkerung – unter Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren kämpft die saharauische Polisario mit algerischer Unterstützung für einen eigenen Staat, den 18 Regierungen bereits anerkannt haben. In Marokko hat der blutige, teure und demoralisierende Wüstenkrieg Unruhen ausgelöst, die den Thron Hassans II. gefährden.

In der vorigen Woche wechselte Hassan seinen Regierungschef aus. Der bisherige Justizminister Maati Bouabid soll nun eine Brücke zur Opposition schlagen, die zwar den heiligen Krieg gegen die Polisario unterstützt, aber im Gegenzug soziale Forderungen stellt. Unzufrieden ist auch das Militär, das gegen die Wüstenkrieger bisher den kürzeren gezogen hat. Die Studenten nutzen die Gunst der Stunde, gegen die Monarchie zu protestieren; die von Iran ausgehende Unruhe ermuntert reaktionäre religiöse Kräfte und kann – nach der Halbautonomie für die Kurden – die marokkanischen Berber zu ähnlichen Forderungen ermuntern.

Um die Polisario vernichtend zu schlagen, müßte Marokko, sie indes über die algerische Grenze bis in ihre dortigen Stützpunkte verfolgen. Algier bereitet sich deswegen auf eine Invasion vor.