DIE ZEIT

Der Öldruck steigt

Vor einem Jahr quollen in der ganzen Welt die Tanks über. Daß eine neue Ölkrise bevorstehe, mochte niemand recht glauben. Die Alarmrufe der Experten, die fast durch die Bank für die achtziger Jahre eine weltweite Erdölknappheit voraussagten, stießen auf taube Ohren.

Kartenspieler sind wir nicht mehr

Noch einmal das schöne Spiel, weil es uns so gut gefiel: Im Juli 1978 brachte der Daily Telegraph einen Artikel, in dem behauptet wurde, daß Herbert Wehner und Egon Bahr in Moskau über die Möglichkeit eines schrittweisen Rückzuges der Bundesrepublik aus der Nato gesprochen hätten.

Ärger mit Bastian

Panzergeneral Gert Bastian mag überrascht gewesen sein. Und doch widerfuhr ihm nur das Übliche: Wenn einer eine Meinung sagt, die anderen mißfällt, untersuchen die Gegner zuerst einmal, ob er dies denn überhaupt sagen dürfe.

Stille vor dem Sturm

Sicherlich hängt es mit der augenblicklich militanten Lage in der Union zusammen, daß sie militärischen Sprachgebrauch liebt.

Worte der Woche

"Die Autos der Terroristen sind nicht mehr die besten. Früher hatten sie schnelle elegante Wagen, In Darmstadt flohen sie mit einem Mittelklassewagen.

Zeitspiegel

Keine Revolution ohne Propaganda – getreu diesem Grundsatz haben die Gegner des nicaraguanischen Präsidenten Somoza ihren Sender "Radio Sandino" verstärkt, dessen Standort offiziell "unbekannt" ist.

Der nächste Stolperstein

Das Fest ist aus, der Alltag beginnt – ein Alltag voller Herausforderungen. Selbst wenn Zug um Zug erfüllt wird, was Israelis und Ägypter mit Brief und Siegel einander versprochen haben – Rückzug, Botschafteraustausch, Handelsverkehr –, so stehen die nächsten Hindernisse schon längst auf ihrem Weg zum Frieden.

Im kalten Friedenswind

Ein historischer Tag in Washington: Die Unterzeichnung des israelischägyptischen Vertrages. Doch wie geht es weiter? Welche Schwierigkeiten türmen sich nun vor dem amerikanischen Präsidenten auf?

Die Saudis lavieren

Syriens Staatschef Assad warnte Sadat, er werde für seine "feigen Taten" zur Rechenschaft gezogen; der Palästinenserchef Arafat drohte dem ägyptischen Staatspräsidenten mit dem Tod; im israelisch besetzten Westjordanien und im Libanon wurde mit einem Generalstreik gegen die Unterzeichnung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages demonstriert; in Teheran besetzten schwerbewaffnete Jugendliche die ägyptische Botschaft.

War Adolf Hitler in Liverpool?: Geschichten auf dem Sofa

Bei der Pferdeschau in Dublin begegnete die siebzehnjährige hübsche Irin Bridget Dowling einem feschen, stattlichen Fremden, der ihr wie ein Märchenprinz erschienen sein muß: einen elfenbeinernen Stock mit Goldknauf am Am, eine Perle in der Krawattennadel, am kleinen Finger einen Diamanten, und einen Rubin, eine schwere goldene Uhrkette an der Weste, den Schnurrbart wie Kaiser Wilhelm gezwirbelt – so herausgeputzt stellte er sich als "Alois Hitler aus Österreich" vor.

Eritrea: Der Kampf geht weiter

Die momentanen Rückschläge werden nicht in der Lage sein, unseren gerechten revolutionären Kampf zu zerschlagen, noch können sie den festen Willen des Volkes schwächen, bis zum vollständigen Sieg zu kämpfen.

Hassan in Not

Die spanische Sahara wurde 1975 – gegen den Willen der Bevölkerung – unter Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren kämpft die saharauische Polisario mit algerischer Unterstützung für einen eigenen Staat, den 18 Regierungen bereits anerkannt haben.

Afghanistan: Rebellion

Daß das pro-sowjetische Regime des Nur Mohamed Taraki in Afghanistan zunehmend in Bedrängnis gerät, läßt sich schon daraus erkennen, daß die sowjetische Führung allein zweimal in der vergangenen Woche in der Prawda und Izwestija zu den Unruhen Stellung nahm: eine deutliche Abkehr vor der bisherigen Praxis, die afghanischen Zustände eher als eine sozialistische Idylle darzustellen.

Tschad: Die Franzosen ziehen ab

Seit seiner Unabhängigkeit im August 1960 wird der Tschad von Aufständen geschüttelt. Immer wieder waren es französische Truppen, die eingriffen, um die schwache Zentralregierung zu stützen.

"Es bleibt nur noch der krieg"

Julius Nyerere, der 57jährige Präsident von Tansania, hat das größte Gewicht unter den Staatschefs der sogenannten Frontstaaten in Afrika.

Wolfgang Ebert: Mensch, Maier...!

Schleierhaft: Ob die Dame, die in Frankfurt mit einer Maschine aus Teheran eintraf, Alice Schwarzer war, ließ sich nicht feststellen, weil sie tief verschleiert war.

Rechtsextremismus: "Wir gingen durch die Hölle"

Rechtsradikale Jugendliche sprengen in einer Berliner Schule eine Diskussionsveranstaltungüber die Fernsehserie "Holocaust" und ekeln im Emsland eine jüdische Familie aus der Stadt Nordhorn heraus.

Hamburg: Stadtrundfahrt alternativ

Hamburg – das Tor zur Welt." Unter dem Diktat dieses Werbeslogans mühen sich die Moderatoren der Hamburger Sight-Seeing-Unternehmen zweimal täglich, durchaus Vergleichbares als einzigartig zu schildern: Sie überzeugen den italienischen Touristen aus Pisa von der Imposanz des Fernsehturms und den New Yorker Kaufmann von den Umsatzzahlen des Hamburger Hafens.

Club der langen Menschen: Kein Platz im Bett

Konstantin Klein ist 22 Jahre alt und 2 Meter 22 groß. Auf der Straße starren ihm die Leute nach; in der S-Bahn kann er nicht Platz nehmen, ohne seinem Visavis mit den Knien in den Bauch zu stoßen; im Hotel muß er – allein – ein Doppelbett-Zimmer nehmen, um sich im Schlaf – diagonal liegend – einigermaßen erholen zu können.

Zeitliches aus München: Feiern in Bayern

Die Bauern an der mittelfränkischen Religionsgrenze dürfen wieder tief durchatmen. Kein bösartig Andersgläubiger, kein "unchristlicher" Eiferer und nicht einmal mehr ein freistaatliches Gesetz werden die reine Luft bei der Fronleichnamsprozession der Katholiken diesseits der unsichtbaren "Demarkationslinie" verpesten.

Fernseh-Zeit: Schwache Intendanten

Man mag die Sache drehen und wenden wie man will: Der Meinungskonflikt im Deutschen Fernsehen zwischen den journalistischen Rängen und den allmächtigen Intendanten, gleich ob ARD oder ZDF, ist nicht wegzudiskutieren.

Berliner Justiz: Wo gehobelt wird, da fallen Späne

Unter den Berliner Richtern und Staatsanwälten gibt es offenbar einige, die mit Hingabe und außergewöhnlicher Sorgfalt Jagd auf Linke und vermeintliche Linksextremisten machen und dabei keinen Aufwand, keine juristischen Fehlgriffe und keine unverhältnismäßige Strafe scheuen.

Die neuen Zahlmeister

Es ist noch nicht allzu lange her, da klagten die Deutschen, sie seien die Zahlmeister Europas. Heute sind es die Engländer, die unter der ständig schwerer werdenden Finanzlast ihrer EG-Mitgliedschaft stöhnen.

Zins: Sparerfreundlich

Vierzehn Monate lang haben die Sparer hierzulande für ihre Spargroschen, auf die sie im Bedarfsfall zurückgreifen wollen, nur zweieinhalb Prozent Zinsen bekommen.

Ölkrise: Hoffen auf eine Formel

Was passiert, wenn es ernst wird? Wenn zum Beispiel mitten im Winter die Ölversorgung aus dem Nahen Osten zusammenbricht und das Heizöl auszugehen droht? Oder wenn bestimmte Länder, von den Ölexporteuren boykottiert werden, andere dagegen nicht? Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris hat eine Antwort auf solche Fragen: ihren Ölverteilungsplan für den Notfall.

Bonner Kulisse

Noch zu Beginn der siebziger Jahre hätte es jedermann für normal gehalten, doch im März 1979 wirkte es auf viele Beteiligte und Betroffene überraschend: der Bundeswirtschaftsminister hat sich in einem ellenlangen, öffentlich gehaltenen Vortrag zu praktisch allen wichtigen Details der Bankenpolitik geäußert und dabei auch beträchtliche Änderungen vorgeschlagen.

Ehe es zu spät ist...

Auf dem Deutschen Bankentag, der am Montag und Dienstag dieser Woche in Bonn stattfand, deuteten viele Bankiers die Bemerkung von Bundesbankpräsident Otmar Emminger, für die Geldpolitik sei inzwischen die "Alarmstufe Eins" erreicht, als Ankündigung; einer baldigen Diskonterhöhung.

Italien: Wunder im Export

Ein kleiner italienischer Verleger in Cuneo ist wohl der einzige Industrielle der Welt, dem der Umsturz in Iran sofort mehr Aufträge verspricht.

Praxis-Computer: Rechner für den Doktor

Weil Doktor Otto Stramm, Zahnarzt im westfälischen Schwerte, immer häufiger am Schreibtisch saß und immer weniger Patienten auf das Gebiß schaute, holte er sich einen Computer in seine Praxis; und weil ihm die vorgefertigten Programme der Hersteller nicht gut genug waren, begann er vor einigen Jahren damit, selbst Arbeitsanweisungen für die Maschine zu schreiben – ausgerichtet auf die Bedürfnisse einer Dental-Praxis.

Korea: Das dritte Wirtschaftswunder

Jedes Jahrzehnt hat sein eigenes Wirtschaftswunder: In die fünfziger Jahre fällt das deutsche, in die sechziger das japanische und die siebziger Jahre das koreanische.

Schweiz: Der Trick mit den Gutscheinen

Der "Wilde Westen" der Schweiz – das ist der Kanton Wallis, von den übrigen Eidgenossen abfällig "Außerschweiz" genannt. Im Wallis blühen nicht nur Tomaten und Aprikosen, sondern mit schöner Regelmäßigkeit auch Skandale.

Dem Markt "gehorchen"

• Die großen Einkaufsgenossenschaften wie Rente und Edeka sind auch gemeint, wenn die Nachfragemacht des Handels beklagt wird.

DEVISEN-SELLER

Die Bewegungen an den Devisenmärkten halten sich derzeit in engen Grenzen. Etwas niedriger bewertet wurden "der Schweizer Franken, der holländische Gulden sowie der österreichische Schilling.

ZEITRAFFER

Energiesparen, vom Bonner Forschungsminister Volker Hauff kürzlich zur "Schicksalsfrage unserer Generation" proklamiert, fordert auch EG-Kommissar Guido Brunner.

Die Unternehmer holten auf

Mit dem Konjunkturaufschwung im vergangenen Jahr kletterten auch die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Im zweiten Halbjahr stiegen die Bruttogewinne sogar um 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, für das Gesamtjahr 1978 somit ein Plus von rund elf Prozent.

MANAGER UND MÄRKTE

Den Spekulationen, er werde als dritter Chefredakteur die Leitung des Magazins Wirtschaftswoche komplettieren, setzt Conrad Ahers, derzeit Chefredakteur des SPD-eigenen Boulevardblattes Hamburger Morgenpost, wenig mehr entgegen.

Firmen und Fakten

1978 ist das Betriebsergebnis um rund sieben Prozent, das Gesamtergebnis um 8,6 Prozent gestiegen. Bei einer um 15,5 Prozent auf 43 Milliarden Mark gestiegenen Bilanzsumme dürfte der Gewinn einen neuen Höchststand erreicht haben.

+ Weitere Artikel anzeigen