Die Familie hatte sich für England entschieden, für Ferien auf dem Lande nach Katalog: „Farm Holiday Guide“, über 350 Seiten, etwa 3000 Adressen. Da ist guter Rat teuer. Wir probierten’s mit „do it ourselves“, schrieben ein paar Briefe, bekamen drei Zusagen.

Zwei wären sehr verlockend, deshalb entschieden wir uns für Urlaub mit Umzug: zunächst Landhaus und Rosengarten, dann, der Kinder wegen, Bauernhof mit vielen Tieren („shooting on farm and pony rides for children, and a warm welcome to all“). Beides in Devon an Englands Südseite, nicht weit von Exeter.

Das Landhaus mit Rosengarten erwies sich als Volltreffer. Klinker, weiße Fenster, Blick auf hügeliges Land, knorrige Eichen, in deren Schatten Kühe dösten. Vor den Fenstern rankten wie versprochen Rosen. Drinnen waltete still Mrs. Pinn, der gute Geist von „Down House“. Die grauhaarige Lady brachte morgens den Tee ans Bett, später knatterte sie mit Mr. Pinn in einem alten Auto zum Markt, um Fleisch und Gemüse zu holen. Das Essen kochte sie selbst, und es war in der Tat „a variety of food“. Die Gäste waren voll des Lobes.

Tagsüber schwärmten wir aus, in die sanfte südenglische Landschaft oder zur Küste. Sidmouth bot sich an, ein Badeort ohne zu großen Trubel: Promenade, langer Strand, Kieselsteine, Steilküste. Und an jeder Ecke Icecream.

Die Abende verbrachten wir in trauter Runde, erst beim Dinner, dann beim Schwatz von Klubsessel zu Klubsessel, beim Fernsehen, beim Billard oder mit Kartenspielen. Wir waren die einzigen Deutschen unter einem Dutzend Engländern und fühlten uns, auch wenn’s mit der Sprache etwas haperte, wie in einer großen Familie. Besonders glücklich waren die Kinder.

Der Abschied von Mrs. und Mr. Pinn und ihrem „Down House“ fiel schwer. Aber wir hatten es ja so gewollt: neuen Abenteuern entgegen. Das Abenteuer lag nur ein paar Meilen vom Rosengarten entfernt und war dornenreich. Rinderfarm, Wohnhaus, gewichtige Wirtin und ein kläffender Hund. Der Bullterrier hörte, wenn überhaupt, auf den Namen Tiger und war der einzige Lichtblick. Er hielt wenigstens die Kinder bei Laune.

Eine englische Familie verließ, Tiger zum Trotz, vorzeitig das Haus. Gründe genug gab es: dürftige Zimmer, Essen „englisch“ im schlechtesten Sinne, sogar das Trinkwasser wurde zugeteilt. Für das angepriesene Ponyreiten mußte man kräftig berappen und fürs versprochene Schießen das Gewehr mitbringen. Auch wenn Sie zu Hause eins haben sollten – machen Sie mal an der Grenze einem Polizisten klar, was ein Gewehr im Gepäck soll. Wir hatten keines.