Konstantin Klein ist 22 Jahre alt und 2 Meter 22 groß. Auf der Straße starren ihm die Leute nach; in der S-Bahn kann er nicht Platz nehmen, ohne seinem Visavis mit den Knien in den Bauch zu stoßen; im Hotel muß er – allein – ein Doppelbett-Zimmer nehmen, um sich im Schlaf – diagonal liegend – einigermaßen erholen zu können.

Das Monströse an dem großen Herrn Klein könnte Anlaß geben zu einer Satire – wenn’s nicht so traurig wäre. Und falls man noch unten in der Rezeption des Hamburger Hotels bei der Frage nach der Pressekonferenz des "Klubs langer Menschen Deutschland e. V." ein gewisses Lächeln hervorrief, war das, was oben die Mediziner zum Thema des Riesenwuchses bei Menschen zu sagen hatten, gar nicht mehr zum Lachen. Und wer noch an der Tür zum Konferenzraum auf eine Schmunzelstory gesetzt hatte, mußte sich nun mit einem Problem auseinandersetzen, das sich nicht im Zirkus erledigt.

Die Mindestlänge für eine Mitgliedschaft im "Klub der Langen" beträgt bei Damen 180 Zentimeter, bei Herren 190 Zentimeter, dieser Klub hat zur Zeit etwa 2500 Mitglieder; aber rund 50 000 Bürger der Bundesrepublik Deutschland würden die Mitgliedschaft dieses Vereins erwerben können, legt man die erforderlichen Maße zugrunde. Und es gibt keine Anzeichen dafür, daß es in Zukunft weniger Zwei-Meter-Menschen geben wird als bisher. Der Konstantin Klein ist also kein Wunderexemplar eines circensischen Raritätenkabinetts, sondern nur einer von vielen, denen man auf der Straße oder im Sport (etwa beim Basketball) begegnen kann.

Und trotzdem, seine Probleme sind bis heute ungelöst. "Es beginnt damit",’ sagte Professor Bernbeck, Orthopäde und leitender Facharzt im Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Barmbek, "daß schon die Kinder mit Übergrößen wie zusammengerollte Füchse schlafen müssen."

Konstantin Klein, ein Mann wie ein Berg; trutzig, kräftig, nicht zu überwinden. So sieht einer aus, dem man im Film die Rolle eines Super-Helden anvertraut. Gewiß, er zögert ein bißchen, bevor er seinen Oberkörper vor der versammelten Presse frei macht; aber dann tut er es coch.

"Klein ist ein Körperbehinderter", sagt Professor Bernbeck, "sein krüppelhafter Zustand wäre vermeidbar gewesen, hätte er in seiner Jugend in einem längeren Bett schlafen können."

Und der Hamburger Facharzt für Innere Krankheiten, Günter Neumeyer, bestätigt: "Die meisten Menschen nehmen das Bett, nachdem sie aufgestanden sind, überhaupt nicht mehr wahr. Und deshalb merkt man viel zu spät, daß ein Mulden- oder ein Wackel-Bett Schlafstörungen bewirkt. Und wir vergessen, daß wir zwanzig bis dreißig Jahre unseres Lebens im Bett verbringen."