„Der Kurt Wolff Verlag 1913–1930“, von Wolfram Göbel. Eine Schrift von außerordentlichem Zauber ist diese Monographie Wolffs, und der mit ihm verbundenen Verlage für jeden, der sich für Expressionismus, reine Verlagsgeschichte oder Verlagsgeschichte als Faktor der Dichtungsgeschichte interessiert – vom Zauber umfangreichsten, zugleich dichtesten Materials. Denn das ist Merkmal des Verfassers (an dessen Darstellung des ersten Rowohlt-Verlags zu erinnern ist) – und seines Doktorvaters Göpfert, der seit Jahren derartige Schriften fördert –, daß er ganz auf Materialien gerichtete (hier sind’s etwa die Bibliographien sämtlicher Verlagsprodukte) und aus Materialien kommende (auch unpublizierte Quellen verwertende) Arbeit leistet. Entgegen einer seit Jahrzehnten nur positiven Einschätzung ist das oft allzu günstige, Nekrologen gemäße Bild des Verlegers hier zur Realität zurückkorrigiert, und die Bedeutung anderer Fakten, die seine Verlage formten, sicher erkannt, so etwa die Rolle Franz Bleis, dieser vielfarbigen Eminenz der deutschen Literatur im ersten Viertel unseres Jahrhunderts. – Bleiben dennoch Wünsche? Ja, der fast unerfüllbare große: Autopsie möge einmal die abstrakt gewonnenen bibliographischen Nummern (und Angaben) überprüfen; wurde damals doch in Anzeigen und Verlagsverzeichnissen bekanntlich propagandistisch gründlich geschönt, so daß einzig durch Autopsie berichtigende Daten zu gewinnen und Lücken völlig zu schließen wären. (Buchhändler-Vereinigung GmbH, Frankfurt; 600 S., 144,– DM.)

Ludwig Dietz