Von Barbara Ungeheuer

Es war Zufall. Die Minister der dreizehn Öl-Staaten saßen zur gleichen Zeit am Grünen Tisch, als in Washington der ägyptisch-israelische Friedensvertrag unterschrieben wurde. Doch das „Beratende Treffen der OPEC-Mitglieder“ war schon vor Präsident Carters letzter Nahost-Initiative festgesetzt worden. Als am Montagabend Fernsehapparate in den streng bewachten Konferenzsaal des Genfer Intercontinental Hotels geschoben wurden, meinte der Gouverneur der iranischen Zentralbank, Mohammed Ali Moulawi halb scherzend: „Wir sehen uns jetzt die amerikanische Show an. Danach entscheiden wir über die Preise.“

Doch dann mußten sich die Teilnehmer dieses Fernseherlebnis doch versagen, weil die irakische und libysche Delegation Einspruch erhoben hatten. Aber auch so war bereits allen Beobachtern der OPEC-Szene klar, daß eine weitere Preiserhöhung auch ohne diesen politischen Reizeffekt durchgesetzt werden würde.

Die beim letzten Treffen in Abu Dhabi erzielte Einigung, den Preis bis Ende 1979 stufenweise auf 14,54 Dollar pro Barrel (159 Liter) zu erhöhen, wurde nach langen Beratungen am Dienstagnachmittag dahin geändert, diesen Betrag ab sofort als neuen Mindestpreis festzusetzen. Darauf schlug man dann noch eine „Prämie“ von 1,20 Dollar, um den gegenwärtigen Tagespreisen näherzukommen.

Einige Ölstaaten wie Kuweit, Quatar und Venezuela hatten sich schon in den letzten Monaten ohne Plazet des OPEC-Kartells diesen „Aufpreis“ ausbedungen. Die afrikanischen Produzenten des leichteren Rohöls hatten sogar auf noch höheren Zuschlägen bestanden.

Die Beschlüsse von Genf bedeuten, daß die Ölverbraucher vom 1. April an für Rohöl im Durchschnitt mindestens 14 Prozent mehr zahlen müssen als in Abu Dhabi beschlossen worden war. Nach dem damaligen Abkommen sollte der Preis für das zweite Quartal 1979 um 3,9 Prozent, also auf 13,84 Dollar, erhöht werden.

Das neue Genfer Preisdiktat wurde der Öffentlichkeit als ein Kompromiß zwischen Preis-Falken und -Tauben verkauft. Wie üblich hatte Iraks Abdel Tayeh Karim mit der Preisfeilscherei begonnen, indem er pro Barrel 16,50 Dollar verlangte, weil nur so ein Ausgleich für den fallenden Dollar und die steigenden Preise für Industriegüter geschaffen werden könne.