Über 400 000 Besucher sahen im letzten Sommer im Pariser Centre Beaubourg die Ausstellung "Paris – Berlin". Die Übersicht deutscher Kunst zwischen 1900 und 1933 (ergänzt durch ausführliche Hinweise auf Design, Architektur, Literatur, Musik, Theater, Film, Photographie) löste eine doppelte Betroffenheit aus. Den Franzosen (das spiegelte sich in den Kommentaren der Presse) wurde deutlich, daß die Kunst von jenseits des Rheins nicht der Veitstanz einzelner Barbaren war (so wurden vor Jahren noch Beckmann und die Expressionisten verstanden), sondern die gewaltige Antwort einer Generation, die auf die europäischen Zerstörungen des einen Krieges reagierte und die weltweiten Verwüstungen des nächsten Krieges antizipierte. Für den deutschen Betrachter war dieser Querschnitt durch die fruchtbarsten und verhängnisvollsten Jahrzehnte seiner jüngsten Geschichte eine sehr ambivalente Erfahrung: Indem Maße, in dem hier die Größe und Gewalt dieses Aufbruchs sichtbar wurden, wurde nachträglich die Dimension der Selbstvernichtung der eigenen Nation erlebbar. Das Handbuch zu dieser Ausstellung, das sich durch die einleitenden Essays und viele Dokumente auch dem, der nicht in Paris war, empfiehlt, ist jetzt erfreulicherweise auch in einer deutschen Ausgabe erschienen. (Prestel Verlag, München, 632 S. mit zahlr. Abb., 58,– DM.)

Petra Kipphoff