Die Elektronik soll den Zahnarzt von der Verwaltungsarbeit entlasten

Weil Doktor Otto Stramm, Zahnarzt im westfälischen Schwerte, immer häufiger am Schreibtisch saß und immer weniger Patienten auf das Gebiß schaute, holte er sich einen Computer in seine Praxis; und weil ihm die vorgefertigten Programme der Hersteller nicht gut genug waren, begann er vor einigen Jahren damit, selbst Arbeitsanweisungen für die Maschine zu schreiben – ausgerichtet auf die Bedürfnisse einer Dental-Praxis. Die Programme fanden das Interesse der MAI-International GmbH in Frankfurt, die mit Stramm eine Symbiose einging: Sie vermietet ihren „Dialog-Computer“ gezielt auch an Zahnärzte, ihr Partner aus Schwerte beliefert seine Kollegen mit den selbst entwickelten Programmen.

Der 49jährige Stramm begnügt sich aber nicht damit, im eigenen Lande die computergerechte Praxis zu propagieren. Im Herbst 1977 führte er auf dem Weltzahnärztekongreß in Toronto sein Modell eines auf elektronische Datenverarbeitung getrimmten Sprechzimmers vor. Das System wurde auf amerikanische und kanadische Bedürfnisse abgewandelt, Stramm gründete zusammen mit einem kanadischen Kollegen eine eigene Firma, die nun den dortigen Markt in Angriff nehmen will.

Aber auch in der Bundesrepublik gibt es viel zu tun: Von rund 30 000 ausgebildeten Zahnärzten arbeiten 24 000 in Praxen. Und nicht allein Stramm und MAI, die bereits zwanzig Kollegen mit Computern versorgt haben, wollen sich da. ihren Anteil sichern. Auch andere, vor allem Computer-Marktführer IBM, Siemens, Olivetti und Nixdorf tummeln sich in diesem Terrain.

Denn das Zahnarztgeschäft ist für den Computer besser geeignet als das der anderen Ärzte, es läßt sich besonders leicht schematisieren. „32 Zähne mit jeweils sechs Flächen, also nur rund zweihundert mögliche Zustandsbeschreibungen, das gibt es nirgendwo sonst im medizinischen Bereich“, argumentiert Stramm.

Und der Verwaltungsaufwand wächst, denn für „Antragsbehandlungen“ auf Krankenschein muß vorher ein Kostenvoranschlag eingereicht werden. Stramm warnt deshalb vor zu kleinen Anlagen. Rund 73 000 Mark für den Computer und noch einmal 10 000 Mark für die Programme müßten schon sein. Einen Kaufpreis von insgesamt 120 000 Mark hält er für ein „ambitioniertes Ziel“.

Mit dieser Investition werde sich dann die Leistung der „Praxis-Sekretärin“ um das Drei- bis Vierfache steigern und – was noch wichtiger ist – der Arzt sich mehr und intensiver der Behandlung widmen können. Bis zu dreißig Prozent veranschlagt Stramm den Zeitgewinn.