Die Woche gehörte der schwedischen Königin, und das nicht nur, weil die Bonner Politik ziemlich aushäusig war und das Wahlland Schleswig-Holstein heimsuchte. Königin Silvia versetzte das deutsche Herz in Schwingung wie einst Elizabeth oder Sirikit, vielleicht sogar noch ein wenig mehr: Es war ja ein deutsches Landeskind, das nun als Majestät zurückkehrte.

Mit alltäglich-königlichen Bemerkungen über den Staatsbesuch – „unvergeßlich, aber etwas ermüdend“ (Süddeutsche Zeitung) – gaben sich andere Blätter nicht zufrieden. Bild erfuhr von Silvia: „Mein Baby strampelt schon ganz schön.“ Und die brave Bonner Bürgerin, die beim Anblick der hochhackigen Schuhe Silvias bewegt-entsetzt ausrief: „Wie kann man im sechsten Monat bloß solche Dinger tragen!“ wurde fast so oft und gewiß liebevoller zitiert als Herbert Wehner mit seiner Ansicht über den defensiven Charakter der Sowjetrüstung.

Wie sich Königinnen in anderen Umständen verhalten, Bild erzählt es in schönstem Courths-Mahler-Stil: Silvia „ließ sich blaß in einen Empirestuhl fallen“, Ergriffenheit drängte sich in die Schlagzeilen: „Silvia – es war zu viel“.

Die Stuttgarter Zeitung konstatierte staunend: „Es gibt noch Märchen in unseren Tagen.“ Und sogar der hartgesottene Chronist Walter Henkels, der mehr Staatsgäste hat kommen und gehen sehen als sonst irgend jemand in Bonn, geriet ins Schwärmen. Das Ordenszeremoniell beschrieb er noch mit gewohnt heiterem Zynismus: „Dekorationen wurden ausgetauscht: allein in Bonn 68 Orden und 24 Medaillen“, aber beim Anblick Silvias entwickelte er sich zum Minnesänger.

Königin Silvia indes tat, was ihres hohen Amtes war und was deutsche Zeitungsleser von ihren Politikern noch nie erfahren haben: „Sie zeigte ihr schönstes Lächeln.“

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Horst Ehmke, sonst um muntere Kommentare nie verlegen, war diesmal verschlossen wie eine Auster. Zu allen Spekulationen, die den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden schon halb im Amt des Verkehrsministers sahen, war ihm nicht mehr als ein unwilliges Knurren zu entlocken. Anscheinend war es ihm höchst unangenehm, durch eine Indiskretion in öffentlichen Entscheidungszwang gebracht worden zu sein. Beim Kanzler darf man wohl ähnliches unterstellen: Auch ihm konnte nichts daran gelegen sein, sich eine öffentliche Absage Ehmkes zu holen.