Vierzehn Monate lang haben die Sparer hierzulande für ihre Spargroschen, auf die sie im Bedarfsfall zurückgreifen wollen, nur zweieinhalb Prozent Zinsen bekommen. So schlecht wurde das Sparen selten belohnt. Aber die Banken haben andererseits auch ihre Kunden nur wenig schröpfen können, die sich bei ihnen Geld geliehen haben. Selbst bei niedrigen Zinsen wollten sich nur Wenige bei Banken und Sparkassen verschulden.

Das wird jetzt bald anders werden. Die Wirtschaft hat wieder Tritt gefaßt. Unternehmer haben wieder Mut, sich zu verschulden. Seit einiger Zeit läuft das Kreditgeschäft wieder hervorragend. Wir sind zwar von einer Situation wie 1973/74 weit entfernt. Damals hatten wir einen Inflationssockel von sechseinhalb Prozent, heute einen von rund drei Prozent. Die Lohnwelle brachte damals Mehrkosten von rund zehn, heute von nur rund fünf Prozent. Damals erschütterte eine Vervierfachung des Ölpreises die Weltwirtschaft. Heute wird das Öl zwar auch teurer, aber nicht annähernd in diesem Ausmaß. Dennoch nimmt die Bundesbank die sich anbahnende Teuerungswelle ernst. Die Mitglieder des Zentralbankrats wissen, wie schwierig es ist, einen Inflationszug zu stoppen, der einmal in Gang gekommen ist.

Die Währungshüter in Frankfurt werden deshalb in Kürze ihr Arsenal auf brauchbare Waffen zur Bekämpfung der beginnenden Teuerung untersuchen. Sie dürfen den Aufschwung nicht kaputtmachen, müssen aber den Preisen auf ihrem Weg nach oben einen Riegel vorschieben. Das gelänge am besten durch eine Kombination von zwei Maßnahmen: Durch eine Erhöhung des Diskonts um ein halbes Prozent könnten sie den Kredit verteuern; durch eine Aufstockung der Kontingente an Wechseln, mit denen sich die Banken bei der Bundesbank Geld beschaffen können, könnte der Kreislauf gestützt werden.

Für den Sparer sind das keine schlechten Nachrichten. Der Sparzins müßte dann wohl auf dreieinhalb Prozent angehoben werden. R. H.