Sicherlich hängt es mit der augenblicklich militanten Lage in der Union zusammen, daß sie militärischen Sprachgebrauch liebt. Auf breiter Front, so hat ihr auf dem Kieler Bundesparteitag wiedergewählter Vorsitzender Helmut Kohl aufs neue angekündigt, werde die Opposition angreifen. Indes, den Beweis dafür wird er schuldig bleiben müssen, bis die Verhältnisse an der inneren Front der Union geklärt sind:

Unter dem Signum der nötigen Wahlkampfgeschlossenheit auf den schleswig-holsteinischen Gefilden hat auf dem Kieler Treffen nicht ausdiskutiert werden können, was der bisherige Oppositionsführer und Kanzlerkandidat Kohl noch taugt. Kohl selber hat eine Frontbegradigung mit der Bemerkung vorgenommen, im Wahlgang von 1980 werde die Union mit einer „Mannschaft“ kandidieren. Das läßt offen, welche Rolle er noch spielen kann oder wird.

Wahr bleibt, daß die Union zu ihm – noch – keine Alternative hat. Hinter ihm drängeln sich Nachfolger – von Ernst Albrecht bis Alfred Dregger. Aber der Kieler Parteitag hat weder die unausgesetzten Strategiedebatten noch die Personaldiskussionen der Opposition beenden können. Erst nach der Wahl in Schleswig-Holstein wird die Diskussion ernsthaft beginnen. Bis dahin herrscht die Stille vor dem Sturm. cck