Frankreich zieht seine Truppen aus dem Tschad ab. Trotz des Waffenstillstands nach dem jüngsten Bürgerkrieg bleibt das Land ein Krisenherd.

Seit seiner Unabhängigkeit im August 1960 wird der Tschad von Aufständen geschüttelt. Immer wieder waren es französische Truppen, die eingriffen, um die schwache Zentralregierung zu stützen. Zuletzt zählte das französische Kontingent 2600 Mann. Mit dem vergangene Woche angekündigten Abzug zieht Frankreich resignierend eine Konsequenz: Seine Präsenz konnte weder Bürgerkriege verhindern noch die wechselnden Regierungen effektvoll stützen.

Der erste Präsident des Tschad, François Tombalbaye, konnte sich bis 1975 halten. Dann wurde er bei einem Militärputsch ermordet. Sein Nachfolger, General Felix Malloum, zerrieb sich von Anfang an mit Rebellen im Norden des Landes, die auf die Unterstützung Libyens zählen konnten. Der Anführer Hissen Habré, der sich durch die Entführung der französischen Ethnologin Franchise Claustre einen traurigen Namen gemacht hatte, wurde im Oktober 1976 von seinen Anhängern verjagt. Im August 1978 tauchte er wieder auf: als Premierminister seines einstigen Erzfeindes Malloum.

Die ungleiche Allianz hielt nicht lange, zumal alte ethnische und religiöse Gegensätze neu aufbrachen. Das Land entglitt der Zentralgewalt und wurde von verschiedenen Rebellenarmeen beherrscht. In der Hauptstadt befehdeten sich die bewaffneten Anhänger des Staatspräsidenten und des Premierministers; Aufständische aus dem Norden griffen ein, ohne Partei zu nehmen. Schließlich brach Mitte Februar der Bürgerkrieg offen aus. Im Nachbarland Nigeria wurde seitdem ein Waffenstillstand ausgehandelt, der zu einem erneuten Machtwechsel führte. Jetzt ist wieder ein Rebellenführer Staatschef, sein Vorgänger hat sich ins Exil abgesetzt.

Wie nach jedem Machtwechsel im Tschad hieß es auch jetzt, die französischen Truppen sollten das Land verlassen. Unter der Hand wurde aber die Prognose gehandelt, sie könnten in ein paar Monaten zurückgerufen werden – genau nach gewohntem Muster. Doch das Elysée setzte aller Unklarheit ein Ende und verordnete den Abzug. Das offizielle Pariser Argument: Nach einer Einigung der streitenden Parteien habe sich die Aufgabe der französischen Soldaten erledigt.

Klaus-Peter Schmid (Paris)