Von Alice Schwarzer

Teheran, im März

Die Maschine setzt zur Landung an. Noch während wir langsam ausrollen, nimmt die junge Frau drei Reihen vor mir den bereits aufgesetzten grauen Flanellhut wieder ab und knüpft ein schwarzes Kopftuch um. Jenseits der Kontrollen empfangen uns strahlende Arafat/Chormieini-Poster und erstaunte Auslandskorrespondenten: Sie hatten bis zuletzt nicht damit gerechnet, daß wir überhaupt ins Land gelassen. würden.

Schon gar nicht an diesem Morgen, an dem am selben Ort und zur selben Stunde Kate Millct nach einer Abschiebehaft von 20 Stunden zwangsweise via Okzident geschickt worden war. Bei ihrer Ankunft in der vergangenen Woche in Paris sprach die amerikanische Feministin, die, eingeladen von Iranerinnen, zehn Tage streitbar am Frauenprotest teilgenommen hatte, dann von der „schrecklichsten Erfahrung“ ihres Lebens und vom „Polizeistaat“ Iran (so zitiert vier Tage später im Kayan, der größten Tageszeitung Irans).

Harte Worte, die vielleicht auch dazu beitrugen, daß wir, achtzehn Frauen des überstürzt gegründeten „Internationalen Komitees zur Verteidigung der Rechte der Frauen“ zwar zunächst abwartend, dann aber auffallend zuvorkommend behandelt wurden – bis hin zum Empfang bei den politischen und religiösen Führern, bei Chomeini und Bazargan.

Was uns die Herren sagten, war nicht neu. Chomeini verkündet bekanntlich nur. und Bazargan plaudert liberal, ist „selbstverständlich“ grundsätzlich für die Gleichberechtigung, weicht aber ebenso selbstverständlich im Konkreten aus und beruft sich ansonsten gern auf den „naturgewollten Unterschied“. Kurzum: Er steht da seinen christlichen Kollegen in nichts nach.

Bemerkenswert schien mir vor allem die Tatsache, daß diese Begegnungen in einer so dramatischen Phase der Geschichte des Iran überhaupt stattfand. Eine Geste, die ohne Zweifel nicht nur der Imägepflege im Ausland, sondern ebenso der Besänftigung der fünfzehn Millionen Frauen im Inland galt. Denn sie alle – egal, ob verschleiert oder nicht – erhoffen sich von dem neuen Regime auch neue Freiheiten.