Ben Witter: „Alle Nachrichten aus der Unterwelt“. Wenn heute Richter und Staatsanwälte statt „Gefängnis“ manchmal auch „Knast“ sagen und sogar Minister vom Knast reden, so ist Ben Witter daran mitschuldig. Jahrelang hat er seinen Lesern in der Wochenzeitung DIE ZEIT ungewöhnliche und wohl einzigartige Einblicke in die Unterwelt verschafft. Drei Bücher und eine Schallplatte entstanden aus den Artikeln und Kolumnen: „Deutschland, deine Ganoven“; „Knast“; „Nachrichten aus der Unterwelt“ und die Langspielplatte „Knast“; die Illustratoren waren Horst Janssen und Dieter Huthmacher. Bevor man daranging, Randgruppen der Gesellschaft zu entdecken, war Ben Witter bereits bei den „Knastologen“. Inzwischen nennen sie sich „Knackis“, denn die jüngere Generation veränderte auch das „Rotwelsch“. Ungehemmt läßt Ben Witter die Mauergesellschaft“ ihre Sprache sprechen. Seine Beiträge sind Fundgruben für Juristen und Kriminologen geworden. Aus den genannten Büchern, vom Autor für die Taschenbuchausgbe ausgewählt und ergänzt, lesen sich diese Paradestücke einer literarischen Kurzform oft wie Mini-Krimis. Denn Ben Witter, der bei den Nationalsozialisten selbst mit dem Gefängnis in Berührung kam, ist sachkundig und kompetent. Obwohl der Knast von heute man die Schrecken verloren hat, so kamen doch andere hinzu, und die Mauern werden bleiben. Und damit bleiben notgedrungen viele Fragen ohne Antworten. Ben Witter geht es aber hauptsächlich um diejenigen, die außerhalb der Gesellschaft bleiben, weil die Gesellschaft sie nicht zurückhaben will. (Ullstein Taschenbuch Nr. 3575, Ullstein Verlag, Berlin, 1979; 121 S., Zeichnungen von Dieter Huthmacher, 5,80 DM.)