Seit Jahresbeginn ist der Commerzbank-Aktienindex um etwas mehr als 5,2 Prozent zurückgefallen. Bank-Aktien sogar um mehr als elf Prozent. Sie werden an der Börse mit wachsender Skepsis beurteilt – obwohl die Institute auch in diesem Frühjahr wieder „gewinnträchtige“ Abschlüsse vorlegen können. Wo liegen die Gründe für die Schwäche der Bankaktien?

In keinem Gewerbe wird der Zwang zum ewigen Wachstum deutlicher als in der Kreditwirtschaft. Wenn ein neues Geschäftsjahr beginnt, ist für die Bankiers vieles unbestimmt, aber eines sicher: Die Personalkosten steigen. So stand von vornherein fest, daß beispielsweise die Commerzbank im Jahr 1978 einen Mehraufwand im Personal- und sonstigen Verwaltungsbereich von 80 bis 85 Millionen Mark zu verkraften haben würde. Außerdem war das 1977 erhöhte Kapital diesmal voll mit einer Dividende zu bedienen, was einschließlich der hierauf entfallenden Steuern einen Mehraufwand von 26 Millionen bedeutete. Alles in allem waren also 110 Millionen an Kostensteigerungen vorgegeben.

Wegen des harten Wettbewerbs war es unmöglich, die höheren Kosten einfach in den Kreditkonditionen oder in den Provisionen unterzubringen. Da auch der Spielraum für Wertpapiereigengeschäfte durch die verschlechterte Börsenlage eingeengt war, blieb nur der Weg über die Ausdehnung des Geschäftsvolumens. Im Jahresdurchschnitt lag bei der Commerzbank das Geschäftsvolumen 1978 um knapp 20 Prozent höher als 1977. Nach bankinterner Rechnung wuchs der Gewinn aber nur um 10 Prozent.

Die Rentabilität hat sich also weiter verschlechtert, eine Entwicklung, deren Ende nicht abzusehen ist. Nun sind die Banken längst nicht mehr in der Lage, ihr Eigenkapital aus eigener Kraft dem Wachstum ihrer Bilanzsumme anzupassen. Je stärker die Rentabilität sinkt, desto häufiger müssen die Aktionäre zur Kasse gebeten werden. Denn nach dem Kreditwesengesetz dürfen Kredite das 18fache der Eigenmittel nicht überschreiten. Der früher einmal aus Gründen der internationalen Reputation für erforderlich gehaltene Satz von fünf Prozent Eigenmitteln an der Bilanzsumme ist von den Bankiers längst aufgegeben worden. Bei der Commerzbank betrug dieser Anteil am Jahresende 1978 nur noch 3,5 Prozent.

Zur Zeit hat die Bank noch einen freien Kreditspielraum von rund zwei Milliarden Mark. Wenn im kommenden November von der dann erstmals gebotenen Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, die 4,5prozentige Wandelanleihe in Commerzbank-Aktien im Verhältnis 4:1 zu tauschen, würde sich der Freiraum um weitere 2,3 Milliarden erweitern, wobei anzumerkenist, daß Kredite an die öffentliche Hand auf den Eigenkapital-Richtsatz nicht anrechenbar sind.

Da sich das Kreditvolumen in den ersten beiden Monaten leicht zurückgebildet hat, läßt sich absehen, daß die Commerzbank vorerst auf weitere Kapitalbeschaffungsmaßnahmen verzichten kann. Sie läßt vermutlich der Dresdner Bank den Vortritt. Die von der Hauptversammlung zu schaffende Genehmigung für eine Weitere Wandelanleihe sowie für eine Optionsanleihe sind Maßnahmen zur längerfristigen Kapitalbeschaffung. Falls die Bank an die Grenzen der Richtsätze stößt, müßte sie von dem vorhandenen genehmigten Kapital Gebrauch machen. Das wird mit Sicherheit erst in der zweiten Jahreshälfte der Fall sein. Dann brauchen die jungen Aktien erst vom 1. Juli 1979 an mit Dividenden bedient zu werden.

So scharf wird eben gerechnet. Und das merken auch die Kapitalanleger, die sich wohl zu Recht fragen, was für sie aus dem Geschäftswachstum herausspringt – außer höheren Risiken. So hat die Commerzbank 1978 absolut wohl den höchsten Gewinn ihrer Geschichte erzielt. Aber die Aktionäre erhalten deshalb keinen Pfennig mehr. Sie müssen sich mit der im Vorjahr wegen der Körperschaftsteuerreform von 9auf 8,50 Mark gekürzten Bardividende zufriedengeben. Dazu kommt noch eine Steuergutschrift von 4,78 Mark, macht zusammen 13,28 Mark. Bezogen auf den Commerzbank-Aktienkurs von 198 Mark entspricht dies einer Rendite von 6,7 Prozent. Damit – so meint Commerzbank-Sprecher Robert Dhom – wird der Kurs nach unten einigermaßen abgesichert. Dies allerdings nur so lange, wie sich der Kapitalmarktzins bei sieben Prozent hält.