ARD, Dienstag, 1. Mai, 21 Uhr: "Es begann bei Tiffany", Fernsehspiel von Walter Kempley (Buch) und Wolfgang Becker (Regie)

Amerikanische Autoren sind eben doch die besseren – zumindest was Komödien anbelangt, Denn deutsche (Gag-)Schreiber, denen es allerdings auch an einer entsprechenden Tradition fehlt, kaprizieren sich zumeist auf das, was man hierzulande"Lustspiel" nennt. Zwischen Boulevardtheater und übertourtem Klamauk scheint es keine Alternativen zu geben.

So ließ sich auch Michael Pfleghar die Drehbuchentwürfe für seine "Himmlischen Töchter" 1976 von-’ dem Amerikaner Walter Kempley schreiben. Just jener Kempley, heute in den USA einer der erfolgreichsten writer-producers für Situationskomödien ("Happy Days"), lieferte jetzt auch. die intelligent-(aber)witzige Vorlage für die vom WDR mit erheblichem Aufwand produzierte. Komödie "Es begann bei Tiffany".

Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, die vor dem berühmten New Yorker Juweliergeschäft ihren Anfang nehmen, einen Geldtransporter der Firma "Armbruster Armoured" zu überfallen, verschlägt esden Ganoven Ryder (Rutger Hauer, bekannt aus dem holländischen Spielfilm "Türkische Früchte") nach Deutschland. Diesmal will Ryder sich das Geld nicht holen, sondern bringen lassen.

Die Idee-dazu liefern ihm ein "Wirtschaftsberater" (Siegfried Wischnewski) und dessen attraktive Tochter (Katerina Jacob). Also gründet das Trio gemeinsam mit einem Trupp spezialisierter Knastbrüder eine Bank – nur zum Schein, versteht sich, und nur für eine Woche, Das ungewöhnliche Unternehmen aber droht zu scheitern – weil es floriert. Mit Tränen in den Augen nämlich vergeben die überaus weichherzigen Gangster zu Traumbedingungen Kredite an Bedürftige. Die merkwürdigen Methoden der Bankiers von eigenen Gnaden sorgen für einen solch starken Publikumsverkehr, daß der Überfall auf die völlig verwirrten Geldboten dann buchstäblich in letzter Sekunde platzt. Worüber sich die Ganoven auch noch freuen denn im Grunde wollen sie doch niemandem Schaden zufügen.

In "Es begann bei Tiffany" gehen – für deutsche Bildschirmverhältnisse – sex, crime und comedy eine selten glückliche Verbindung ein. Für, ersteres sorgt unter anderem eine splitterfasernackte junge Dame (Gabriele Moritz), die es im Verlauf der turbulenten Story in den Banktresor verschlägt. Eingeschlossen mit neun – zum Teil auch nur teilweise bekleideten – Männern muß sie dort eine Nacht verbringen.

Für die Komik sorgt nicht zuletzt der 69jährige Regisseur Wolfgang Becker, Spezialist für Krimis ("Zweikampf") und Komödien ("Match"), der zuletzt für das WDR das Kinderbuch "Vorstadtkrokodile" von Max von der Grün verfilmt hat. Beckers Inszenierung der originellen Kempley-Story die er noch um etliche eigene Ideen anreicherte, verbindet handwerkliche Solidität (Drehzeit: 40 Tage), präzises timing und rasantes Tempo: eine amüsante Angelegenheit, die aus dem grauen Fernsehalltag herausragt wie die buntbemalte Spitze eines Eisbergs. Da vertragen sich sogar durchaus derbe, aber nicht überdrehte slapstick-Einlagen mit Anflügen von hintergründig-schwarzem Humor. Und den noch in Nebenrollen (etwa Hans Clarin und Heinz Schubert) prominenten Darstellern ist deutlich anzumerken, daß sie mit großem Spaß bei der Sache waren. Rolf Thissen