Südafrika und eine deutsche Raketenbaufirma in Zaire, die Otrag, haben das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und Schwarzafrika am meisten belastet. Nun mußte die Otrag Zaire verlassen.

Über die wahren Gründe, die Zaire veranlaßt haben, den bis zum Jahr 2000 befristeten Pachtvertrag mit der Otrag (Orbital Transport- und Raketen-Aktiengesellschaft) abrupt zu kündigen, läßt sich nur spekulieren. Offiziell heißt es, Zaires Präsident Mobutu wolle dies als Geste des guten Willens verstanden sehen und zwar gegenüber dem Nachbarland Angola, von dessen Territorium aus zweimal Invasionstruppen in die zairische Kupferprovinz Shaba einmarschiert waren.

Mit der Versöhnung zwischen den beiden Ländern hapert es nämlich – auch die Otrag war ein Grund dafür. Versöhnung aber, so hatten die westlichen Kreditgeber und der Internationale Währungsfonds dem hoffnungslos verschuldeten Mobutu zu verstehen gegeben, sei die Voraussetzung dafür, daß ihre Gelder weiter in das rohstoffreiche zentralafrikanische Land flossen.

Inoffiziell allerdings dürfte die Bundesregierung auf Umwegen Druck auf Zaire ausgeübt haben. Schließlich haben die "undurchsichtigen Aktivitäten der Otrag" – so der Bundestagsabgeordnete Corterier – wie kaum etwas anderes dem Ansehen der Bundesrepublik in Afrika geschadet. Bundeskanzler Schmidt hat das auf seiner Afrikareise im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. Staatschef Kaunda von Sambia und General Obasanjo von Nigeria wurden so deutlich, daß Schmidt schließlich "das Ding zum Teufel" wünschte.

Die Otrag des Ingenieurs Lutz Kayser verfügte in der Provinz Shaba über ein 100 000 Quadratkilometer großes Geviert, ein Gelände so groß wie die DDR. Dort testete Kayser seine Billigraketen, die allein friedlichen Zwecken dienen sollten. Doch es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die Zairis auch auf andere Verwendungsmöglichkeiten hofften.

Die Otrag hat es immer verstanden, ihre Aktivitäten mit einem Schleier des Geheimnisses zu umgeben. Das riesige Testgebiet, in dem die Firma quasi exterritoriale Rechte genoß, durfte nur mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis betreten werden. Hinderliche Einwohner wurden aus dem Pachtgebiet zeitweise ausgesiedelt. Allerdings ist das Gebiet recht dünn besiedelt. Um so reicher ist es dafür an Bodenschätzen, für die sich Kayser gleich die Explorations- und Abbaurechte übertragen ließ. Pachtkosten: 50 Millionen Mark, gestundet bis zu den ersten kommerziellen Einnahmen.

Bei den Schürfrechten wird es auch in Zukunft bleiben. Für seine Raketen aber muß sich die Otrag eine neue Base suchen. Kayser denkt daran, von Schiffen zu starten, um die Entwicklung weiter voranzutreiben. Denn das Satellitengeschäft verspricht Gewinn. Schließlich haben die Flugkörper in erdnahen Umlaufbahnen nur eine begrenzte Lebensdauer von etwa einem Jahr und müssen dann ersetzt werden.