Wie die meisten Menschen, die die Wissenschaft ernst nehmen, liebt Hoimar von Ditfurth leidenschaftlich die Wahrheit. Darum irritiert es den bärtigen Professor arg, daß es im späten zwanzigsten Jahrhundert immer noch Leute gibt, die an Sterndeuterei, extraterrestrischen Besuch, Bermuda-Dreieck, Psi und anderen Hokuspokus glauben.

Vor Jahresfrist hatte sich Ditfurth deshalb im ZDF mit den Astrologen angelegt, mit denen er heute noch prozessieren muß. Jetzt holte er in zwei Sendungen seiner lehrreichen Reihe "Querschnitt" zu einem Rundschlag gegen den Aberglauben aus. Er nahm die modernen Märchenerzähler Däniken, Butlar und Genossen aufs Korn – wozu er eigens nach Südamerika reiste, um ein paar Dänikiaden zu entlarven. Die Ufo-Jessen bekamen eins drauf, daß Astronaut Cooper eine fliegende Untertasse oder ähnliches gesichtet haben soll, so erfuhren wir, hat er selbst heftig bestritten, Der Zauberkünstler James (Amazing) Randi war nach Hamburg eingeflogen worden, um vor der Kamera im ZDF-Studio mit großem Geschick und viel Liebenswürdigkeit die Tricks des fast schon vergessenen Löffelbiegers Uri Geiler zu verraten. Und Querschnitt-Mitarbeiter Volker Arzt enthüllte die Wahrheit über berühmte Sektenfürsten.

Fünfzig Millionen Mark, so schätzte Hoimar von Ditfurth, blättern kleingläubige Frauen und Männer Jahr für Jahr in der Bundesrepublik allein. für Horoskope hin; und welch astronomische Jahresverdienste die alten Männer in Korea, Amerika und Indien einstreichen, die ihren Jüngern Armut predigen – es konnte einem schwindlig werden.

Dieser Schwindel freilich wird nicht erst seit heute betrieben. Von jeher haben die Menschen gern das geglaubt, was ihnen Heil versprach, und stets ist dies kräftig ausgebeutet worden.

Diese Beutelschneiderei ist keineswegs auf Dinge beschränkt, von denen es, wie Hamlet behauptet, im Himmel und auf Erden mehr geben soll als unsere Schulweisheit sich träumen läßt. Weitaus mehr Geld ziehen als honorig geltende Handelsunternehmen den Leichtgläubigen aus den Taschen, die zum Beispiel allerlei nutzlose Chemikalien, Kräuteraufgüsse und Säfte schlucken oder in ihre Haut einreiben, weil ihnen Reklamemacher mit raffinierten Psychotricks einreden, dies fordere das Wohlbefinden, verlangsame das Altern, verjüngere das Aussehen oder beuge Krankheiten vor.

Auch den Guru, der sich – ohne helfen zu können – an denen bereichert, die-mit ihrem Schicksal hadern, nach einem Sinn ihres Lebens suchen, von Ängsten oder Trugbildern geplagt werden, gibt es nicht nur in den Sekten, von denen heute so viel geredet wird. Diese weltlichen Heiligen nennen sich – ohne Berechtigung – Psychotherapeuten und tun so als wüßten sie, wie die Not der Verzweifelten zu lindern sei.

Selbstverständlich gibt es wirksame Medizin und hilfreiche Seelentherapie. Weitaus verbreiteter aber ist die Scharlatanerie, und sie wird keineswegs nur von Laien betrieben.