DIE ZEIT

Ein Wahldebakel

Je näher die Bundespräsidentenwahl in dieser Woche heranrückte, desto tiefer gerieten die Bonner Regierungsparteien in den von ihnen selber verschuldeten Schlamassel der Kandidatennot – ein blamables, ein ärgerliches, ein vermeidbares Schauspiel.

Bewahren, um erneuern zu können

Der 23. Mai ist ein schwieriges Datum für uns Westdeutsche. Wir feiern – feiern? – an diesem Tage das Inkrafttreten des Grundgesetzes, das uns mittlerweile dreißig Jahre anständigen, ansehnlichen demokratischen Daseins ermöglicht hat.

Unions-Neurose

Zu oft schon hat Helmut Kohl Offensiven aller Art angekündigt, die dann steckenblieben oder gar nicht stattfanden, als daß man der Version ohne weiteres glauben könnte, nach vollbrachter Bundespräsidentenwahl werde er sich über Zustand und Zukunft der Union unmißverständlich äußern.

Junge Nation

Alle Kinderchöre von Bielefeld bis Regensburg müßten vor dem Kanzler-Bungalow ein Ständchen singen. Helmut Schmidt hat es nötig.

Worte der Woche

"Ich fürchte, wenn die Führung dieses Staates in die Hände des gegenwärtigen Ministerpräsidenten in Bayern geriete, würde die politische Berechenbarkeit unseres Staates von ausländischen Partnern wesentlich reduziert.

Der neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche: Ein Bischof ohne Lutherrock

So ist es nicht immer, aber so ist es auch: Eine Synode jagte die andere, und Eduard Lohse war stets dabei – letzte Woche in Berlin-Spandau, wo er mit überwältigender Mehrheit für sechs Jahre zum neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt wurde; diese Woche in Hannover, wo er als Bischof seiner Synode Rede und Antwort zu stehen hatte.

Zeitspiegel

Der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kunst, Prof. Eduard Pestel, scheint amtsmüde zu sein. In politischen Kreisen Hannovers wird vermutet, daß er sich bald wieder der Wissenschaft widmen wird.

Wolfgang Ebert: Lage der Nation

Und in welcher Größe bitte?" fragte die Verkäuferin den Kunden, der just zur Stunde der Bundestagsdebatte über die "Lage der Nation", das Spezialgeschäft für Landkarten betreten hatte.

Ohne Kompromiß durch die Krise

Von Turin bis Palermo brüllen es die Lautsprecher über die piazza jeder Stadt, jedes Dorfes, tönt es von fahnengeschmückten Podien wie der Refrain jener yielstrophigen Schlager, die sich alle zu gleichen scheinen: "Mit uns die Rettung– ohne uns die Katastrophe des Vaterlandes!" Meist nur müde und mechanisch heben sich die Hände zum Beifall.

Reisen in die DDR: Pfingstprobe

Nun gibt es zu Pfingsten doch keinen Besucherstopp in Ostberlin: Die Regierung der DDR hat den Berliner Senat fernschriftlich informiert, sie werde die Besuchsregelung "entsprechend den abgeschlossenen Vereinbarungen" einhalten – also trotz des Pfingsttreffens der Jugendorganisation FDJ, das mit seinen 500 000 Teilnehmern der DDR-Führung gewiß nicht nur verkehrstechnische Sorgen bereitet.

Amerikas Führung: Carter lenkt nicht

Selbst Wohlmeinende haben Jimmy Carter immer die Konfrontation mit einer tiefen, ihm alles abverlangenden Krise gewünscht. Erst dann, so meinten sie, könne er seine Führungsqualitäten, seine Standfestigkeit und seine Durchsetzungskraft beweisen.

Thatcher gibt Breschnjew und Kohl Körbe

Zwei Staatsmänner hat Margaret Thatcher bereits ausgeladen: Breschnjew, der nach London kommen woll, te, um die schlechten Beziehungen beider Länder aufzubessern, und sich selbst, die nach Dortmund reisen wollte, um dort Helmut Kohl zu helfen, Europa vor dem "Sozialismus" der SPD zu bewahren.

Linke auf dem Vormarsch

Seit Anfang Mai operiert in El Salvador ein "Revolutionärer Volksblock" mit wachsendem Erfolg gegen die Regierung des Generalspräsidenten Romero, der am 1.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Warten auf die Brüter

Auch wenn die entsorgungstechnischen Vorteile der Wiederaufarbeitung deshalb nicht gering geschätzt werden sollen, läßt sich doch feststellen, daß die Wiederaufarbeitung ihren eigentlichen Vorteil, ihre eigentliche wirtschaftliche Bedeutung erst im Verbund mit dem Schnellen Brüter erreicht.

Proteste im Iran

Im Iran ist es zu der bisher schärfsten öffentlichen Kritik am Chomeini-Regime gekommen. 50 000 Menschen demonstrierten gegen den Versuch, "die Revolution dem Faschismus in die Arme zu treiben".

Schere im Kopf

Ein Bericht über die Öffentlichkeit in der DDR von Michael Naumann, Joachim Nawrocki und Josef Joffe. Mit Beiträgen von Marlies Menge (S. 10) und Dieter Borkowski (S. 12)

Kurzweil in Moskau

"Die imperialistische Propaganda... greift die Gemüter der Sowjetmenschen ständig und verbissen an. Mit Hilfe äußerst raffinierter Methoden und moderner technischer Mittel ist sie bestrebt, das Bewußtsein der Bürger durch Verleumdungen unserer sowjetischen Wirklichkeit zu vergiften, den Sozialismus anzuschwärzen.

Baden-Württemberg: Ein schofeliger Rausschmiß

Der Münsterbauverein in Freiburg ist zwar ein Traditionsverein, aber kein ehrwürdiger. Mit Staat, Kirche und Stadtgemeinde sorgt der Verein dafür, daß die berühmte alte Kathedrale erhalten wird.

Signale vom anderen Ufer

Wenn alle schreien, fällt derjenige auf, der leise redet. Daher kann die Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften (WSI) mit großer Aufmerksamkeit rechnen.

Das Japan-Syndrom

Es hört sich an wie jenes laute Singen, das angeblich hilft gegen die Angst des einsamen Wanderers im nächtlichen Wald: etwas hohl und gar nicht vergnüglich.

BONNER KULISSE

Die Neigung mancher Politiker, gewissermaßen für ihr Eigentum zu halten, was sie mit Hilfe der Steuerzahler mitfinanziert haben, ist im Zusammenhang mit der Bonner Bundesgartenschau wieder einmal deutlich geworden.

Deutsche Bundesbank: Nachfolger

Die Besetzung des Führungsgremiums der Deutschen Bundesbank gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Regierungen in Bonn und in den Ländern.

Wenn die Bundesrepublik im Alleingang auf die Weiterentwicklung der Nukleartechnologie verzichtet, fällt sie im internationalen Wettbewerb zurück: Selbstverstümmlung einer Industrienation?

ZEIT: Herr Professor Beckurts, das von der Bundesregierung ursprünglich vorgesehene und von der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) geplante nukleare Entsorgungszentrum in Gorleben kann nach der Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung nicht in der bisher konzipierten Form gebaut werden – zumindest vorerst nicht.

Mineralölindustrie: Habgierige Konzerne?

Steigende Öl- und Benzinpreise bringen nicht nur den Mineralölunternehmen willkommenen Gewinn, sondern immer auch einigen Politikern willkommene Gelegenheit, sich preiswert zu profilieren.

Auf alten Straßen und neuen Wegen

Auch neue Verkehrstechnologien stoßen nicht überall auf Gegenliebe – selbst wenn sie umweltfreundlicher sind als ihre Vorgänger.

ZEITRAFFER

Keine Spur von Optimismus ist aus dem gemeinsamen Jahresbericht des Mineralölwirtschaftsverbandes und der Arbeitsgemeinschaft Erdölgewinnung und -verarbeitung herauszulesen.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse, Norbert Blüm, mußte sich entschuldigen: Aufsichtsratspflichten bei "einem Stahlkocher" in Oberhausen verhinderten am Freitag letzter Woche seine Teilnahme an der Talkshow "III nach neun", die in einigen dritten Fernsehprogrammen ausgestrahlt wurde.

Die Dritte Welt wird ausgesperrt

Die fünfte UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad V.), die in der philippinischen Hauptstadt Manila tagt, lief zäh an.

Europäische Gemeinschaft: Offensive des Lächelns

Bewunderung und Mitleid klangen an, als ein EG-Beamter kürzlich zu den Auftritten seines obersten Chefs, des Präsidenten der Europäischen Kommission Roy Jenkins, vor heimischen britischen Zuhörern bemerkte: "Er spricht in der Wir-Form und übersieht, daß sie ihn doch gar nicht als einen der ihren betrachten.

Zeitliches aus Europa: Brüsseler Spitzen

Alle führenden politischen Parteien in den EG-Ländern – von den Gaullisten bis zu den Sozialdemokraten, von den italienischen Kommunisten bis zu den britischen Konservativen, von den Christlichen Demokraten bis zu den Liberalen – haben den Schutz der Konsumenten .

Internationales Bankgeschäft: Die Pioniere von New York

Welche Stadt ist das: Sie hat mehr Auslandsbanken als jeder andere Finanzplatz; sie hat den größten Anteil am Eurodollarmarkt; sie hat mehr Arbeitsplätze im Bereich der Bankdienste und besitzt mehr US-Banken als jede andere Stadt? Antwort: London natürlich, nicht New York.

Schweizer Banken: Nur die Mafia muß büßen

Wenn am Montag im Gemeindesaal von Chiasso Staatsanwalt Paolo Bernasconi die Anklageschrift verliest gegen Ernst Kuhrmeier und Claudio Laffranchi, die beiden ehemaligen Direktoren der Filiale Chiasso der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), reißt er verheilte Wunden auf.

Firmen und Fakten

Mit der Herabsetzung der Ausschüttung von 8 auf 6 DM für das Geschäftsjahr 1978 will der Vorstand der Gesellschaft ein Signal setzen.

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